Messerscharf
Am Ende, als die Kinder erdolcht sind, das Feuer erloschen, steht sie wieder alleine da: die Ausgestoßene. Selten war das Schwarz der Hinterbühne so erbarmungslos und leer wie in den letzten Takten dieser «Medea» am Essener Aalto-Theater: «Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.»
Die antike Sage erzählt von der Flucht Jasons und Medeas, des griechischen Helden und seiner Geliebten, der Zauberin aus Kolchis. Sie sollen Pelias, den Onkel Jasons, ermordet und das goldene Vlies geraubt haben und werden seither durch die Lande gejagt.
Aribert Reimanns Oper beginnt wie das Drama Grillparzers vor den Toren Korinths, wo die Flüchtenden Hilfe erhoffen. Jason und die Kinder werden aufgenommen, Medea ist als Fremde unerwünscht. Ihre Rache wird blutig.
In Kay Links Inszenierung herrscht König Kreon in einem futuristischen Bau, der locker einen Designpreis gewinnen würde. Bühnen- und Kostümbildner Frank Albert hat das grau verschalte Vieleck auf kühle Betonmauern gestellt. Etliche Treppen führen hinunter, von denen die Bewohner hochmütig auf Ankömmlinge herabblicken.
Herrscher Kreon erinnert mit seiner weißblonden Mähne, dem adelsblauen Mantel mit Pelzkragen an Thomas Gottschalk. ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Thilo Braun
Beim Schlendern durch Genuas Gassen stößt man irgendwann auf eine Gedenktafel, die besagt, dass in diesem Haus der französische Dichter Paul Valéry 1892 ein nächtliches Gewitter von apokalyptischem Ausmaß erlebte, welches ihn kathartisch veränderte, als Lyriker verstummen ließ. In «Die Nacht von Genua» hat er die Identitätskrise thematisiert: «Überall Gewitter....
Zwei Jahre, 1960 und 1943, zwei Welten: Ozeandampfer und Konzentrationslager. Was unvereinbar scheint, verwebt Mieczysław Weinberg in seiner Oper «Die Passagierin»: Die ehemalige SS-Aufseherin Lisa reist mit ihrem Ehemann Walter nach Südamerika, wo er eine Diplomaten-Stelle antreten soll. Sie traut ihren Augen nicht. Ist die Passagierin dort wirklich Martha? Für...
Wie «Salome» ist der Einakter «Elektra» von Hofmannsthal und Strauss eine der großartigen Familienaufstellungen der Operngeschichte – und so sieht das wohl auch der Leipziger Schauspielintendant Enrico Lübbe. Er verbannt die Herrschertochter Elektra in seiner Bonner Inszenierung auf erfrischend unkomplizierte freudianische Art ins Unterstübchen des Palastes von...
