Sehnsucht nach dem «Draußen»
Ein Intendanz-Auftakt der leiseren, der eher unspektakulären Art: Tatjana Gürbacas Inszenierung von György Ligetis «Le Grand Macabre», mit der Generalintendant Hans-Joachim Frey als Nachfolger von Klaus Pierwoß seine Bremer Amtszeit beginnen lässt, verzichtet auf den Paukenschlag, der mit diesem so überschäumend vitalen Werk durchaus möglich gewesen wäre, und setzt auf die introvertierten, in Richtung Beckett gehenden Qualitäten des Stückes. Eine anerkennenswert ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk, die es dem Publikum indes nicht leicht macht.
Das von Klaus Grünberg und Monika Morsbach ohne viel Aufwand entworfene Einheitsbühnenbild trennt ein kühles, klinisch weißes «Drinnen» durch ein großes, im dritten Bild verhängtes Sichtfenster von einem nicht vorhandenen «Draußen», möglicherweise dem Sehnsuchtsort der Personen, zu dem einige von ihnen im vierten Bild nach dem imaginierten Weltuntergang kurz hingelangen, um dann aber wieder in den beengten Spielraum zurückzukehren und am Ende des Stückes in derselben Haltung wie zu Beginn hinauszustarren. Es sind Menschen der Jetztzeit, in Alltagskleidung, ohne kennzeichnende Attribute der Rollen, die sie bei Ligeti spielen sollen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Manchmal verdanken sich Entscheidungen, die eine ganze Branche umkrempeln, sehr banalen Umständen. Als der niederländische Elektronikriese Philips und sein japanischer Konkurrent Sony Anfang der achtziger Jahre die Entwicklung digitalisierter Aufnahme- und Wiedergabeverfahren so weit vorangetrieben hatten, dass sie kurz vor der Marktreife standen, gab es noch ein...
Paul McCreesh gab anlässlich seiner Einspielung von «Paride ed Elena» jüngst der Hoffnung Ausdruck, Gluck möge in zehn Jahren so beliebt sein wie Händel heute. Tatsächlich erlebt der Opernreformator auf Bühnen, Symposien und CD wieder einmal ein Hoch in seiner höchst wechselhaften Konjunkturkurve. Da passt es zum Trend, dass sich Alexander Stoehr und die Neue...
Claude Debussys einzige Oper gehört mehr als hundert Jahre nach ihrer Entstehung noch immer zu den großen Herausforderungen des Musiktheaters. Jossi Wieler und Sergio Morabito haben in ihrer zuletzt in Stuttgart gezeigten Inszenierung (siehe OW 6/2007) das am «Kreuzungspunkt von alltäglicher Rede und depressivem Schweigen» (Julia Kristeva) angesiedelte Stück...
