Der Star sitzt im Graben
Ist’s nun eine Hommage an das realistische Musiktheater? Oder doch eher Bühnensymbolismus? Oder wird hier Büchners und Bergs harter Sozialrealismus mehr oder weniger mutwillig gegen den Strich gebürstet? Um es gleich zu sagen: Der «Wozzeck» an der Opéra de Dijon ist ein großer, ein großartiger Abend geworden. Weil die Regisseurin Sandrine Anglade, bekannt für ihre Arbeit mit der eigenen Compagnie und ihre gleichermaßen ausgeprägte Neugier für Oper und Schauspiel, tief in das Stück, in die Musik hineinhört. Sich nicht von Klischees oder Moden leiten lässt.
Der nachhaltige Eindruck der Produktion hat viel mit dem rundum gelungenen Zusammenspiel aller Beteiligten zu tun. Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg sitzt nun mal nicht alle Tage im Graben. Auch wenn sich viele Opernintendanten das wegen seiner beispiellosen Kompetenz für Zeitgenössisches und die klassische Moderne wünschen dürften.
Sandrine Anglades bewegliche, ästhetisch schlüssige Regie zielt aus Abstraktem ins Konkrete, sie betont die Zeitlosigkeit des Meisterwerks. Tief prägen sich die Bilder ein, die sie mit ihrem kongenialen Bühnenbildner Claude Chestier gefunden hat. Leer ist die Bühne, schwarze ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Alexander Dick
Alle benutzen die griffige Abkürzung: ENOA. Das steht für «European Network of Opera Academies». Zusammengeschlossen hat man sich, um zwei Ziele zu verfolgen: Jungen Sängern, Regisseuren, Komponisten, Dirigenten und Orchestermusikern will man ein internationales Podium bieten; außerdem die Diskussion um die Zukunft der Gattung befördern. Vor allem aber ist ENOA...
Frau Meier, Sie sind es gewohnt, als «große Sängerin» tituliert zu werden. War dies die unmittelbare Konsequenz Ihres «Übernacht-Erfolgs» als Kundry 1983 in Bayreuth?
Nein, in der eigenen Wahrnehmung ging die Geschichte früher los. Steil nach oben ging es für mich nicht mit Bayreuth, sondern nach meinem Debüt 1976 in Würzburg. Zwei Monate, nachdem ich dort...
Während man sich in Mailands Messe-Pavillons seit der Eröffnung der Weltausstellung Expo 2015 am 1. Mai dem globalen Thema «Welternährung» widmet, erwies man zur Saisoneröffnung an der Scala am selben Abend mit einer Wiederbelebung der «Turandot»-Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff (2002) neben Puccini zwei weiteren nationalen Musikgrößen Reverenz: Luciano Berio,...
