Die Angst zu reden
Wer Schostakowitsch vor allem als politischen Komponisten kennt, kann kaum glauben, dass er auch eine Operette komponiert hat. Doch «Moskau, Tscherjomuschki» entlarvt, bei allem Humor, die sowjetischen Realitäten nicht weniger als Schostakowitschs Symphonien. Das Stück entstand in der kurzen Tauwetterperiode nach der von Chruschtschow eingeleiteten Entstalinisierung. Es geht um eine bunte Truppe Moskauer Bewohner, die ihre modrigen Wohnungen verlassen und in die neue Trabantensiedlung Tscherjomuschki einziehen darf.
Im Februar lief das Stück gleich an zwei Bühnen: In der Schiller Theater-Werkstatt der Berliner Staatsoper und im Anbau «Semper 2» der Dresdener Oper. Die Berliner Inszenierung von Neco Celik ist – ungewöhnlich für eine Werkstattbühne – eine Wiederaufnahme von 2012. Eng geht es hier zu, für mehr als je zwei Zuschauerreihen beidseitig der Spielfläche ist kein Platz. Stephan von Wedels Installation aus wackeligen Abflussrohren lässt sofort eine Neubausiedlung assoziieren. Vor zwei Jahren hielt man sich viel darauf zugute, für den Chor Jugendliche aus Berlin mit russischen Wurzeln gewonnen zu haben. Die sind jetzt durch einen schlagkräftigen Jugendchor ersetzt worden ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Udo Badelt
Knapp 60 Seiten umfasst das «Verzeichnüß aller meiner Werke», das Wolfgang Amadé Mozart lückenlos geführt hat. Auf dem Etikett steht: «Vom Monath Febrario 1784 bis Monath … 1». Alles ist offen. Nur die «1» am Zeilenende steht für das Jahrtausend, in dem das Verzeichnis zu Ende gehen würde, dem Jahrhundert hingegen griff Mozart nicht vor. Der letzte Eintrag stammt...
«Und, was glauben Sie?» – unter diesem Motto setzt sich das Pfalztheater Kaiserslautern spartenübergreifend mit der Antike auseinander. Das Musiktheater ist mit «Iphigenie in Aulis» dabei, der weniger bekannten von Glucks beiden Tantaliden-Opern, die die Vorgeschichte des Trojanischen Krieges beschreibt: Heerführer Agamemnon liegt mit seiner Flotte wegen...
Der Ungar Jenö Hubay (1858-1937) ist heute nur noch Geigern durch seine virtuosen Violinkompositionen ein Begriff. Braunschweig hat jetzt seine 1923 in Budapest uraufgeführte, zuletzt 1936 in Wien und Chemnitz gespielte Oper «Anna Karenina» ausgegraben. Hubays Librettisten Alexander Góth und Andor Gabór (der später als kommunistischer Schriftsteller in der Weimarer...
