Knusper, knusper, Häuschen?
Er müsste schon sehr souverän sein, der Intendant, der als Einstandspremiere «Hänsel und Gretel» ansetzte. Herausforderungen, die theaterpolitisch etwas hermachen, heißen anders: «Ring», «Les Troyens», auch «Moses und Aron». Oder wenigstens «Hoffmanns Erzählungen» und «Freischütz». Allzeit gut figurieren auch kanonische Meisterwerke wie «Don Giovanni» und «Wozzeck». Daneben gibt es Stücke für den Opernalltag; sie machen gut Kasse, bleiben im Spielplan aber eher unscheinbar. «Madama Butterfly» zum Beispiel oder «Rigoletto».
In diese letzte Kategorie fällt auch «Hänsel und Gretel» – das Opernpräsent zur Weihnachtszeit. Es gab Häuser, in denen das Stück vier Jahrzehnte lang in denselben Bühnenbildern arrangiert wurde. Fast erschien es überflüssig, über eine neue Inszenierung nachzudenken. Selbst die Märchenforschung und das veränderte Kinderbild der 1968er schlugen sich in der Aufführungspraxis kaum nieder. Anders als Wagner, Verdi und Mozart zeigte sich die erfolgreiche Humperdinck-Oper interpretationsresistent. Dabei ist sie, kanonisch oder nicht, zweifellos ein Meisterwerk: als reich inspirierter, dabei unprätentiöser Wagner-Nachschlag; als Exempel feinsinnig-tüftliger ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Hans-Klaus Jungheinrich
Wie ein Filmdrehbuch hat Hugo von Hofmannsthal das Libretto des «Rosenkavalier» abgefasst, jede Nuance des Bühnengeschehens genau festgelegt. Über Jahrzehnte hinweg, von der Dresdner Uraufführung (1911) an, hielten sich Regisseure penibel an diese Vorgaben. Noch bis in die jüngste Zeit galten die traditionellen Inszenierungen eines Rudolf Hartmann oder Otto Schenk...
Der erste Griff galt der Hand von Konzertmeister Erich Höbarth, der zweite einem Hocker in der Mitte des Podiums, den er missmutig zur Seite rückte. Gelegenheit zum Sitzen, zum Ausruhen, so etwas braucht Nikolaus Harnoncourt nicht. Im vergangenen Sommer ist das passiert, bei den Salzburger Festspielen. Und der Abend mit den drei letzten Mozart-Symphonien belegte...
Wolfgang Rihms Kammeroper «Jakob Lenz», Geniestreich des 27-Jährigen, deren Handlungsgerüst Georg Büchners Erzählung folgt, gehört seit ihrer Uraufführung 1979 zu den meistgespielten Werken des modernen Musiktheaters. Ihr Erfolg beruht nicht zuletzt auf der moderaten Besetzung – drei Solisten, elf Instrumentalisten, sechs Vokalstimmen –, die auch kleineren Häusern...
