Formgefühl und Leidenschaft
Ich nippe gerade am Jasmintee, um die gesalzenen Sonnenblumenkerne aus den Zähnen zu spülen, als oben auf der Bühne, unter bunten Lampions und Troddeln, das Spektakel losgeht. Während die Trommelgruppe sich an rasanten Rhythmen die Finger wund hämmert, sausen Speere durch die Luft, werden mit blitzschnellen Drehungen pariert, durch galanten Fußkick auf den Gegner zurückgefedert. Ausfallschritt links, Ducken rechts, Abrollen, Konter mit groteskem Augenrollen unter grell geschminkten Lidern.
In der Pekingoper ist auch der Krieg ein Ballett von höchster Präzision – ein akrobatisches Wunder zur Begleitung von rohen Holzschlägen und scheppernden Becken.
Den nächsten Abend verbringe ich nicht mehr bei Tee und Nüssen in der malerischen Huguang Guild Hall, sondern im «National Centre for the Performing Arts». Als schimmerndes Riesenei schwimmt es, direkt hinter den stalinistischen Quadern der «Halle des Volkes», seit 2007 auf künstlich angelegtem Fruchtwasser. In Sichtweite der Verbotenen Stadt hat der Franzose Paul Andreu dieses hybride Kulturzentrum mit Opernhaus, Konzertsaal und Theater gebaut: ein Ellipsoid aus fließenden Kurven und schwebenden Hüllen, unter denen man gesittet wandelt ...
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Er war Meisterschüler Mozarts, Haydns Nachfolger in Esterhaza, Kapellmeister in Goethes Weimar, und seine Klavierwerke stellen wichtige Weichen für die Romantik. Schon angesichts der bedeutenden kulturgeschichtlichen Verlinkungen Johann Nepomuk Hummels ist es erstaunlich, dass sein Opernschaffen bisher kaum zur Kenntnis genommen wurde. Erst jetzt liegt eine Probe...
So ganz weg war er nie. Selbst als noch kein Mensch den Barock-Boom vorausahnen konnte, der die Klassikszene erfassen sollte, gehörte Giovanni Battista Pergolesi zu den Komponisten, deren Werke auf Bühnen und Konzertpodien gespielt wurden. Das komische Intermezzo «La serva padrona» war in alten Opernführern lange das einzige Stück, das die Zeitspanne zwischen...
Wenn die Dinge, das Denken und das Fühlen nur noch unterwegs sind, wenn sie keinen Halt mehr kennen, der die Bewegung unterbrechen, ihr Maß, Rhythmus und Sinn verleiht, wächst die Sehnsucht nach dem, was Ernst Bloch mit dem Wort «Heimat» meinte – die Utopie des mit sich und der Welt versöhnten Menschen. Je reißender, unüberschaubarer der Strom des beschleunigten...
