Am Nerv des Dramas

Cherubinis «Médée» in einer exemplarischen Produktion aus Brüssel

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2008 hatte diese Produktion am Brüsseler Théâtre de la Monnaie ihre Premiere. Drei Jahre später wurde sie dort nicht nur aufgefrischt, sondern zugleich überarbeitet und aufgezeichnet. Unterdessen erlebte sie eine skandalbegleitete Reprise in
Paris. Die jetzt vorliegende DVD stammt aus dem Jahr 2011 – und sie berechtigt zu dem Urteil: Diese «Médée» ist eines der stärksten Musiktheaterereignisse der vergangenen Jahre, Musik und Drama verschmelzen hier wirklich zu einer Einheit.

Gespielt wird die französische Originalfassung von 1797, und im Graben sitzt ein Orchester, das auf die Musik dieser Zeit spezialisiert ist: Les Talens Lyriques. Unter Leitung ihres Gründers Christophe Rousset spielen sie Cherubinis Musik nicht mit klassizistischem Faltenwurf, sondern mit revolutionärem Furor, immer am Nerv der Tragödie.  

Das Orchester gibt den drama­tischen Pulsschlag vor, die Szene nimmt ihn auf. Krzysztof Warlikowski holt den Mythos ins Heute, ohne ihn kurzschlüssig zu aktualisieren und damit zu trivialisieren. Das moderne Outfit ist lediglich erzählerisches Hilfsmittel, um den antiken Stoff in seiner Zeitlosigkeit darzustellen. Kontrapunktiert wird die Opern­handlung durch die Projektion ...

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Opernwelt April 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Ekkehard Pluta

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