Hitchcock lässt grüßen

Opernwelt - Logo

Wer neunzigmal als früherer Konzertmeister des Mahler Chamber Orchestra den «Don Giovanni» unter Claudio Abbado und Daniel Harding gespielt hat, der weiß, wie es geht. Und vermag nun seine durchaus eigene Sichtweise selbst dem eher Mozart-ungeübten Orchester des Venezianischen Teatro La Fenice zu vermitteln. Mit ruhiger, entschiedener Schlagtechnik ist Antonello Manacorda, ab Herbst 2010 Chef der Kammerakademie Potsdam, die Mitte dieser bemerkenswerten Mozart-Premiere.

Alle Bewegung geht vom Mann am Pult aus, er steuert, inspiriert, lässt trotzdem Freiheiten und führt sein ausgeglichenes Ensemble wie auch das folgsame, dabei prägnant klingende Orchester dahin, wo er sie haben will. So verwirklicht sich das Harnoncourt-Prinzip der Klangrede wie das eines flüssigen, italienisch warm leuchtenden Tonflusses. Manacorda gibt rasche Tempi vor, die Elvira der dauerhysterischen Carmela Remigio überschlägt sich fast in ihrer «Mi tradi»-Arie. Aber eben nur fast – so wird sie zur fesselnd risokobewussten Studie einer Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Allen Figuren sind ständig in Bewegung. Das unaufhörliche Fortschreiten der Zeit nach dem Mord am Komtur (solide: Attila Jun), den Don ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2010
Rubrik: Kritik, Seite 98
von Manuel Brug

Vergriffen
Weitere Beiträge
Thema verfehlt

Verdis «Otello» einem Schauspielregisseur anzuvertrauen, der seinen Shakespeare kennt, ist eine naheliegende Idee. Und da die Musik vom ersten bis zum letzten Takt szenisch und auch räumlich konzipiert ist, muss sich auch ein relativer Opernneuling keine handwerkliche Blöße geben, wenn er nur zu lesen und zu hören versteht. Andreas Kriegenburg, derzeit...

Mozart kann warten

Jörg KönigsdorfHerr Nelsons, natürlich wollen jetzt alle mit Ihnen über Wagner reden. Aber wir fangen lieber mit Puccini an – dem Komponisten, dessen Opern Sie in dieser Spielzeit fast ausschließlich dirigiert haben. «Turandot» an der Met, «Bohème» an Covent Garden, «Tosca» und «Butterfly» an der Wiener Staatsoper. Sind solche Konzentrationen typisch für Sie?
Andri...

Zwischen den Welten

Auch wenn es schwer vorstellbar ist: Es gab einmal eine Zeit, in der die Opern Janáceks außerhalb seiner Heimat nur wenig bekannt waren. Für die Opern von Mieczysław Weinberg gilt heute weitestgehend dasselbe. Gleichwohl dürfte sich dies mit den Produktionen von «Die Passagierin» und «Das Porträt» bei den diesjährigen Bregenzer Festspielen ändern. Weinbergs...