Grenzgänge zwischen Ost und West
Wichtige Erkenntnisse lassen sich am besten aus genügendem Abstand gewinnen. Das gilt nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für eine so komplizierte Angelegenheit wie das, was gemeinhin kulturelle Identität genannt wird. «Als japanischer Auslandsstudent war ich meiner Heimat zum ersten Mal fern», sagte Toshio Hosokawa vor einem Jahr in einem Vortrag beim Mozartfest Würzburg, «und erst aus solcher räumlichen Distanz heraus konnte ich das spezifisch Japanische wirklich wahrnehmen.
Erst indem ich in einem fremden Kulturraum lebte, wurde mir ganz bewusst, dass ich Japaner bin und in der traditionellen japanischen Kultur aufgewachsen war.» Für den 1955 in Hiroshima geborenen Komponisten kam dieser Moment der Erleuchtung Ende der 1970er-Jahre in Berlin, als ihn sein Lehrer Isang Yun auf die alten, unter die Räder des technischen Fortschritts geratenen Traditionen aufmerksam machte. Bei Klaus Huber in Freiburg, wo er seine Studien fortsetzte, konnte er seine Erfahrungen vertiefen, und zugleich nahm sein langfristiges Ziel erste Konturen an: die Synthese der japanischen Auffassung von Kunst und ihrer geistigen Grundlagen mit europäischen Kompositionsverfahren.
Hosokawas ...
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Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 48
von Max Nyffeler
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Melanie Diener; OW 6/2016). An seinem Stuttgarter Stammhaus gab er in Strauss’ «Salome» einen Herodes von zwingender Intensität: ausgefeilt das Spiel, klangschön, deklamatorisch, «ohne...
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