Prekär
Aki Kaurismäkis Kultfilm «Das Leben der Bohème» hat offenbar einen Paradigmenwechsel in der Opernregie eingeleitet. Heute wird Puccinis Adaption des Romans von Henri Murger jedenfalls vorwiegend in modernen Kostümen gespielt. Sängerische Schwergewichte wie Luciano Pavarotti und Montserrat Caballé in historischem Outfit würden wohl kaum noch Furore machen. Authentizität heißt jetzt das erste Regiegebot, dafür nimmt man auch geringere Stimmkaliber in Kauf.
Im Falle von «La Bohème» schafft die Aktualisierung der Handlung keine Probleme, denn die prekäre Existenz von Künstlern, die sich fallweise in Wohngemeinschaften zusammenfinden, ist immer noch ein Thema.
In einer Produktion aus Malmö ist die optische Modernisierung weitgehend gelungen, wobei hier das fast surreale Bühnenbild von Leslie Travers den früher üblichen szenischen Illusionismus suspendiert. Die Bohèmiens hausen in einem engen Wolkenkuckucksheim unter freiem Himmel, das Café Momus wird durch hin und her fahrende Sitzecken manifest, Mimìs Tod findet nicht in der Mansarde, sondern auf der Straße statt. Die Inszenierung der Irin Orpha Phelan hält die Sängerdarsteller zu natürlichem Agieren an. Gesungen wird in allen ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Ekkehard Pluta
Die Wiederentdeckung der Grand Opéra und ihres wichtigsten Vertreters Giacomo Meyerbeer auf der Opernbühne geht voran. Da konnte es nicht ausbleiben, dass mit Gaspare Spontini auch einer seiner Wegbereiter in den Fokus des Interesses gerät. Der gebürtige Italiener und naturalisierte Franzose war, als Hofkomponist Napoleons und langjähriger Berliner...
Oft gleicht die Musikgeschichte einem Sommer in südlichen Ländern: Es blendet die Sonne, die Schatten sind tief. Deutlich sieht man jene, die im Licht steh’n. Die im Schatten erkennt man erst, wenn das Auge sich ans Dunkel gewöhnt. Dies gilt wohl – seinem Namen völlig widersprechend – auch für den Komponisten Hans Sommer (1837-1922), der bereits am Ende seines...
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