Sehnsucht nach Süße

«Der Klang der Offenbarung des Göttlichen» und «Ragnheidur» – isländische Komponisten feiern die Romantik, ganz ungeniert

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Die minimalistischen Schleifen des ersten Tableaus haben sich eingebrannt. Eine Mollterz hinab, dann hinauf, bis zur Quarte, eine kleine Terz zurück. Stufe um Stufe, wieder und wieder. Auf der Bühne gibt es keine Darsteller, nur Landschaft, entworfen von dem isländischen Künstler Kjartan Kjartansson. Bewusst altmodisch. Ungeniert romantisch. Ein pictorial music play im Stil des späten 19. Jahrhunderts. Wogen rollen gegen Felsen, ein Sonnenstrahl fällt durch die Wolken. Flocken rieseln im verschneiten Hain. Freundlich glimmen die Balken einer nieder­gebrannten Hütte.

Vor einer Gletscherhöhle geht die Sonne auf. Die ätherischen Klänge aus der Feder des Ex-Sigur-Rós-Mitglieds Kjartan Sveinsson sind dem Filmorchester Babelsberg unter David Thor Jónsson anvertraut, der Filmchor betört mit nordisch klarem Klang und Texten aus Halldór Laxness’ Roman «Weltlicht».    

Ist das ernst gemeint? Oder so etwas wie das Madonnenbild vom Flohmarkt: Trash für die Kitsch-Ecke eines Hipsterlebens? «Der Klang der Offenbarung des Göttlichen» ist beim Reykjavik Arts Festival zu erleben, doch die Uraufführung zeigt die Berliner Volksbühne. Was dem Gemälde einen ganz bestimmten ästhetischen Rahmen verpasst. ...

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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Wiebke Roloff

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