Rosina im Wunderland
Seit 2003 wird das Wasserschloss Hallwyl im Kanton Aargau alle drei Jahre zur Kulisse einer Operninszenierung. Diesmal stehen für den «Barbiere di Siviglia» Bücher auf der Bühne, zwei, drei, vier Meter hoch: Brontës «Jane Eyre» und «The Professor», Austens «Sense and Sensibility», dazu als abgründiger Einschub die «Medea» des Euripides (Reclam-Ausgabe). Außerdem Meyers Konversationslexikon, ein medizinisches Lehrbuch, ein Aktenordner für die Buchhaltung, und, ausnahmsweise nicht im Original, ein Comic: Dagobert Duck.
Ein literarischer Referenzraum, der Bartolos pedantische Weltanschauung genauso spiegelt wie Rosinas romantisches, aber nicht humorloses Wesen.
Auch die Figuren selbst sind literarische Fabelgestalten, nur vorübergehend Fleisch geworden. Den Graf entlarven Regency-Rock und Zylinder sogleich als Traumprinz jeder Austen’schen Heldin. Bartolo gewandet sich schwarz mit Mühlsteinkragen in der Manier des frühen 17. Jahrhunderts, sein Mündel Rosina trägt mintgrüne Rüschen und Reifrock, beweist aber Widerspruchsgeist durch Converse Chucks. Figaro gibt den schwulen Friseur, mit wechselnden Perücken spielend sorgt er für Lacher. Als rehäugiger Richard Wagner zeigt sich Basilio. ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Magazin, Seite 98
von Wiebke Roloff
Nichts weniger als den Übergang vom Spätbarock zur Frühklassik markiert dem italo-amerikanischen Musikwissenschaftler Elvidio Surian zufolge die Uraufführung von Johann Adolf Hasses Oper «Artaserse» 1730 in Venedigs Teatro San Giovanni Grisostomo: ein Meilenstein nicht nur in der Entwicklungsgeschichte der Oper als Genre, sondern auch Anfangspunkt der beispiellosen...
Fast könnte man sagen, es ist ein Abend der Duette. Ausgerechnet dort, wo die Musik des «Fliegenden Holländer» beiläufig wirkt, weil sie mit der Tradition hantiert, sorgt Christian Thielemann für neue Hörperspektiven – in genauer Absprache mit seinen Solisten und einem bestens aufgelegten Festspielorchester. Nicht die von Wagner provokativ und nassforsch...
Es könnte glatt eine Empfehlung von Frank Castorf sein. 2016 wird Jonathan Meese in Bayreuth den «Parsifal» – nein, sicher nicht inszenieren, aber in den ihm eigenen Kosmos eingemeinden. Meese sagt ja schon lange, dass ihn Wagners Musik anmacht, weil man bei ihr in Trance kommt. Mit einer «Parsifal»-Performance ist er bereits 2005 an der Berliner Staatsoper gewesen...
