Erkannte Wahrheit

Zürich, Dukas: Ariane et Barbe-Bleue

Opernwelt - Logo

Im Gegensatz zu «Pelléas et Mélisande», dessen Lib­retto eine von Debussy gekürzte Version von Maeterlincks Schauspiel darstellt, hat Maeterlinck «Ariane et Barbe-Bleue» als «Conte en trois actes» von vornherein als Opernlibretto konzipiert (und an Grieg als Kompo­nis­ten gedacht). Beide Stücke ähneln einander mit ihrem Parlando der Singstimmen, das aus Rhythmus und Intonation der französischen Sprache abgeleitet ist, doch es bedarf keiner DNA-Analyse, um die grundsätzliche Verschiedenheit beider Charaktere feststzustellen.


Anders als Mélisande ist Ariane eine ausgesprochen aktive Lichtgestalt, eine Aufklärerin, deren Motto geradezu von Brecht stammen könnte: «Zuerst muss man ungehorsam sein. Das ist die erste Pflicht, wenn der Befehl bedrohlich und unerklärbar ist.» Sie bereits als Vorkämpferin des Feminismus zu reklamieren, schießt trotzdem über ihr Ziel, die gefangen gehaltenen Frauen Blaubarts zu befreien, hinaus. Sie scheitert denn auch an ihrer Mission – wie schon im Untertitel «La Déliv­rance inutile» (Die vergebliche Befreiung) angekündigt. Denn, so Dukas: «Kein Mensch will befreit werden. Freiheit muss teuer erkauft werden… Besser ist es, sich selbst zu befreien.»
Einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Horst Koegler

Vergriffen
Weitere Beiträge
Oper am offenen Herzen

Wenn ein Musik-Festival schon «UltraSchall» heißt, ist es bis zur «Oper am offenen Herzen» nicht weit. Derart kalauernd haben die Autoren einer «Opern­saga» namens «Kommander Kobayashi» ihr Vorgehen beschrieben. Diagnose: OP(er) dringend erforderlich, Praxisgebühr von 13 Euro bitte an der Abendkasse entrichten. Ergebnis: Patient lebt, ist aber kaum...

Tschaikowsky: Pique Dame

Rechts die in Schieflage geratene Flanke eines italienischen Logentheaters, aus dem heraus Surin, Tomski und Tscheka­linski Hermann wie ein Versuchskaninchen fixieren und in dem diesem seine wahnhaften Visionen erscheinen. Links ein luxuriöses Rokoko-Boudoir aus Plexiglas, das nach Eis aussieht und Auskunft gibt über den Zustand seiner Gefühle. Francesca Zambellos...

Vor Sonnenuntergang

«Fünftklassig» – so wurde Ottorino Respighi durch seinen Enkelschüler György Ligeti eingestuft. Es darf bezweifelt werden, ob Ligetis stupendes musikhistorisches Bewusstsein hier mehr als nur die römische Orchestertrilogie parat hatte. Denn angesichts der jetzt erstmals ein­gespielten Oper «La Campana sommersa» (1923-1927) bedarf das gängige Respighi-Bild dringend...