Editorial März
Manchmal ist die Dramaturgie eines Opernwelt-Heftes eine klare, vorab konzipierte Sache. Die Redaktion legt thematische Leitlinien fest, denkt über Inhalte und Textformen nach und sucht dann die entsprechenden Autoren. Manchmal ergibt sich eine solche Dramaturgie aber auch zufällig. Und sie muss deshalb keineswegs schlechter sein. So geschehen bei diesem Heft: Zwei zentrale Aufführungen ergänzen sich in ihrem Zugriff, und das Gespräch mit dem Dirigenten Hartmut Haenchen (das aus Anlass seines 70. Geburtstages geführt wurde) passt perfekt dazu.
Auf den ersten Blick scheinen Meyerbeers Vasco de Gama in Chemnitz und Thomas Hengelbrocks konzertanter Parsifal in Dortmund/Essen gar nicht viel miteinander zu tun zu haben. Im einen Fall spielt man erstmals nach der neuen kritischen Gesamtausgabe, was bedeutet, dass Meyerbeers letzte Oper fünf Stunden und zehn Minuten dauert. Im anderen Fall geht es um eine neue, alte Klanglichkeit des bekannten Notentextes: das Bühnenweihfestspiel auf historischem Instrumentarium. In beiden Fällen ist der Weg zurück zu den Quellen jedoch einer nach vorne. Wir lernen zum Beispiel: Meyerbeers Panorama an Szenen und Stimmungen kann sich erst entfalten, ja es ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch & Albrecht Thiemann
Rechte Winkel, karge «Bauhaus»-Strenge. Befinden wir uns in einem Zuchthaus? Die eintönige Farbpalette der Kostüme spricht dafür: Man trägt Schwarz oder Dunkelblau, König Gustav einen Diktatorenanzug in Pflaume. Nur die Wahrsagerin Ulrica sticht durch ihre giftgelbe Schärpe heraus; sie ist auch die Einzige ohne Latexmaske. Grelles Licht strömt, brutal wie zum...
Wer sich als Komponist an den Lyriker Nietzsche wagt, begibt sich auf heikles Terrain. Meist machen die Verse selbst schon so viel Musik, dass kein Raum für Vertonungen zu bleiben scheint. Pascal Dusapin (Jahrgang 1955) hat es auf Bitten des Baritons Georg Nigl dennoch versucht – und gleich einen ganzen Nietzsche-Zyklus für Stimme und Klavier geschrieben, der 19...
Rigoletto hat viele Gesichter. Der Hofnarr ist liebender Vater, zynischer Einzelgänger und grausamer Rächer. Am Zürcher Opernhaus achtet Quinn Kelsey aber auch auf die Übergänge, die zwischen den Extremen liegen. Die Hände von Gilda führt dieser Rigoletto mit sanfter Gewalt zum Gebet. Die eben noch beschimpften Entführer fleht er auf Knien an, damit sie ihm seine...
