Tröten und Schnattern

Groteske Minidramen, intoniert von den Neuen Vocalsolisten Stuttgart

Opernwelt - Logo

Sie haben es wieder getan. Kammermusiktheater gemacht, im Weißraum zwischen Konzert und Oper, Sprechen und Gesang, Scherz, Satire und tieferer Bedeutung. Lustvoll flanieren die Neuen Vocalsolisten Stuttgart durch die entgrenzten Klangkunstlandschaften der Gegenwart. Immer auf der Suche nach unbekannten Lautgewächsen. Nach nie gehörten Tonblüten. Wann immer das siebenköpfige Singforscherensemble fündig wird, heißt es: Ohren spitzen und den Kopf frei machen. Denn was uns da so unnachahmlich sinnlich wie präzise entgegentönt, ist mit herkömmlichen Begriffen nicht zu fassen.



Warum auch? Wichtiger als alle (vor-)sortierende Vernunft ist Offenheit für die permanenten Mutationen im Biotop der komponierten (und improvisierten) Klänge. Man spürt das Vergnügen, mit dem die Vocalsolisten sich gegen jedwede Kategorisierung stemmen. Sie halten sich lieber an «Falsche Lieder» von Gordon Kampe (2011), absurde Miniaturen, die u. a. Gebrauchstexte wie eine Dienstanweisung der Post zur «Wertbeutelverpackung» behandeln. Oder an «Präludien» von Mischa Käser (2004/05), die in ihrem onomatopoetischen Schnatter-Sound wie SchallPatterns aus der Tierwelt wirken. Das abseitig Humorvolle, das swingend ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Es muss ja nicht immer Björk sein

Island ist, geologisch betrachtet, ein Küken auf unserem Planeten. Auch als Republik hat es eine junge (bis 1944 zurückreichende) Geschichte. Die Entwicklung der letzten Jahre stellt trotzdem alles an Tempo in den Schatten. Manche Einwohner des kleinen Landes haben das Gefühl, überrollt zu sein von den Ereignissen. Da ist natürlich die Finanzkrise von 2008, deren...

Die Donna und ihre Machos

«Birds do it, bees do it.» Und bei all dem, was Ella Fitzgerald von Bienen und Vögeln behauptete, kommt Don Giovanni im Grunde zu kurz. Ständig wird er gestört, alles geht irgendwie schief, angefangen bei Donna Anna. In diesem Zusammenhang scheint pikant, dass Anna Netrebko und Erwin Schrott sich im Mai 2013 auf der Bühne in Baden-Baden noch als das große...

Die Stimme aus Wagners Grab

Wie sind Sie Souffleuse geworden? Eine Ausbildung gibt es ja nicht.
Ich habe Theaterwissenschaft studiert und anschließend als Dramaturgin am Musiktheater gearbeitet. Doch dann kamen meine Töchter zur Welt – vor 31 und 27 Jahren –, und als ich wieder einsteigen wollte, gab es keine freie Stelle. Aber in Wuppertal wurde eine Souffleuse gesucht. Hauptsache wieder...