Gewitter im Innern
Erst allmählich wird die Bühne zum Ort, gibt die Weite der Natur das gesellschaftlich Festumrissene frei. Die Freiburger Szene zu Leoš Janáčeks «Katja Kabanowa» stammt von Alfred Peter und sagt mehr als tausend Worte. Wie aus der Tiefe des Raumes herangezoomt, mit der Lupe betrachtet: zwei Zimmer wie Puppenstuben, Gefängnisse überwiegend bigotter Tradition – Enge, die bedrückt, aus der es ein Entkommen kaum gibt, es sei denn hin zum Tode.
Katjas Weg ist vorgezeichnet – hellsichtig, wie sie sich gleich der Musik, mit der Janáček sie umgibt, ja, liebkost, aus dem Aufeinanderhocken wegstiehlt, den Schritt in die vermeintliche Freiheit wagt. Doch die Weite da draußen erstickt oft im Nebel, ist undurchschaubar, saugt die Menschen auf, die den Ausbruch riskieren, dieweil die Schaumkronen der Wolga sich an Land wälzen. Auch die Weite hat ihre Grenze.
Wir sind längst bei Tilman Knabes Inszenierung angelangt. Der ist heute nicht mehr der «junge Wilde», als der er einst Aufsehen erregte. Er bleibt nah am Text und vor allem auch: an der Musik; einige Überdeutlichkeiten lässt man ihm auch durchgehen. Die beiden Alten holpern etwas bemüht am Stock und an Krücken. Dafür geben sie sich beim ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Heinz W. Koch
Frau Cargill, in einem Brief an Ihre Eltern riet Ihre High School von einer musikalischen Laufbahn dringend ab. Das muss Sie ziemlich verunsichert haben?
Besonders ermutigt hat man mich dort wirklich nicht. Genauer gesagt, gar nicht! Auch meine Fachschaftsleitung am Konservatorium in Glasgow hatte wenig Vertrauen. Aber wir Schotten sind ja sehr stur (lacht). Mich...
Die Kombination so reizvoll wie plausibel. Sowohl in Luigi Dallapiccolas «Il Prigioniero» von 1948 als auch in Wolfgang Rihms Einakter «Das Gehege» – der noch 2006, bei der Münchner Uraufführung, mit Strauss’ «Salome» verkoppelt wurde (siehe OW 12/2006), spielt das Gefangensein, eine Folter namens Hoffnung, die zentrale Rolle. Hier der Mann: Seit einer halben...
Bloß kein Meer! Wenige Tage vorher zeigte David Hermann in Karlsruhe «Simon Boccanegra» als Stück aus Innenräumen. Bilder des ligurischen Meeres, von dem Text und Musik erzählen, waren verpönt. Verdis «tinta musicale», die das einfängt, was man später «Naturlaut» nannte, prallte auf eine eng bebaute Drehbühne, die sich gänzlich verschließen konnte und kaum Blicke...
