Die Tortur des Kreises
Wo bleiben die Gehilfen? Wir warten. Und warten. Und warten. Einen ganzen Abend lang. Wie Wladimir und Estragon. Aber K.s Lakaien aus dem Schloss-Roman lassen sich so wenig blicken wie Becketts Godot. Sven Holm und seine Musiktheaterperformancetruppe Novoflot haben die beiden Clownsknechte auf ihre «Winterreise» nach Franz Kafka nicht mitgenommen. Und damit einen Zünder aus der Hand gegeben, mit dem das jüngste Novoflot-Projekt vielleicht wie eine Marthaler-Murx-Rakete hochgegangen wäre. So aber hoffte man vergeblich auf ein bisschen Slapstick der Vergeblichkeit.
Stattdessen rotierte im Haus der Berliner Festspiele bloß die mit Publikum beschwerte Drehbühne – um eine mit Zeitgeist-Zutaten gewürzte Mischung aus Kinderlaienspiel, Knabenchorvorstellung, szenischem Liederabend, Live-Comics (am Laptop: Ulrich Scheel), Soloposaunenjazz (Nils Wogram) und spärlichen Avantgarde-Klanggesten (Aleksandra Gryka) einer fünfköpfigen Combo (das ensemble mosaik unter Leitung von Vicente Larrañaga).
«Ah, es wird lustig sein», versprechen zwei kleine Mädchen den eingangs auf groben Leinensäcken lagernden Zuschauern und tanzen Ringelreihen zum improvisierten Groove des Posaunisten. Ja, wenn es nur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2013
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Albrecht Thiemann
Herr Tómasson, viele Fernsehzuschauer waren im Dezember vergangenen Jahres von Ihrem Telramund an der Mailänder Scala begeistert. Einige Besucher vor Ort hatten aber Zweifel...
Dass man vor Ort vielleicht den Eindruck gewinnen konnte, ich komme nicht richtig herüber, liegt daran, dass ich mich, ehrlich gesagt, während des ersten Akts ein wenig geschont habe. Um bis...
Hat jemand mal den durchschnittlichen Pulsschlag von Pilgern gemessen? Und den von Besuchern in Lusttempeln? Man sollte diese Ergebnisse mit der Schlagzahl vergleichen, die Marek Janowski als Tempovorgaben für seinen Tannhäuser gewählt hat. Um es nett auszudrücken: Zu langsam ist er nie. Anders gesagt: Janowski ist oft stramm unterwegs, kommt (fast) ohne...
New York
Die Metropolitan Opera setzt zum Verdi- und Wagner-Jahr zwei Neuproduktionen an: Rigoletto mit Diana Damrau und Parsifal mit Jonas Kaufmann. Die New York City Opera spielt Powder Her Face von Thomas Adès, und an der Juilliard School erprobt sich der Nachwuchs mit L’elisir d’amore. Eine Reportage
Raritäten
Als sie 1807 in Paris erstmals vorgestellt wurde,...
