Totenmesse und Tragödie
Kirchenbänke vor, Kirchenbänke auf der Bühne. Dazwischen der Graben mit dem großen Orchester. Die Gemeinde zunächst mit dem Rücken zum Parkett. Ganz hinten der Kinderchor. Am rechten Rand errichtete die Bühnenbildnerin Susanne Gschwender ein haushohes Metallgerüst: viel Gestänge, dazu Stiegen und Podeste und das Kammerorchester auf der ersten Etage. Den Szenenabschluss bildet eine gigantische gotische Glasfensterwand. Sie wird irgendwann herunterrauschen – und das Nein zu einer christlichen Weltsicht signalisieren. Wir wohnen der Erinnerung an einen Krieg bei.
Die Basler Oper visualisiert das «War Requiem» des im November hundertjährigen Benjamin Britten.
Inszeniert hat Calixto Bieito, in der nächsten Spielzeit spartenübergreifender Artist in residence des Hauses. Für seine Verhältnisse übt er sich hier in großer Zurückhaltung. Nur einmal, wenn eine verzweifelte, verwirrte junge Mutter irren Blicks ihr Baby zerschmettert, fließt das sonst bei Bieito allgegenwärtige Blut. Vielleicht sollte man auch nicht von einer Inszenierung sprechen, sondern von einer Bebilderung, genauer: einer tragödienhaften Illustration der zur Wiedereröffnung der von den Deutschen zerstörten Kathedrale von ...
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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Heinz W. Koch
Diese Schrecksekunde hat schon jeder Opernfreund erlebt: Wenn einer am Anfang vor den Vorhang tritt, wird meist eine Umbesetzung oder die Indisposition eines Sängers annonciert. In der zweiten Vorstellung von «Tristan und Isolde» waren aber weder Tenor noch Sopran unpässlich, vielmehr ein Bratscher und ein Cellist kurzfristig krank geworden. Da wurde man einmal...
Luca Pisaroni
Lange war er der Leporello vom Dienst. Dabei reicht das Repertoire des italienischen Bassbaritons Luca Pisaroni von Händel bis zu Strawinsky. In der neuen «Così» bei den Salzburger Festspielen wird er die Partie des Guglielmo singen. Höchste Zeit für ein Gespräch.
100 Jahre Verona
Seit 1913 wird in der antiken Arena di Verona Oper gespielt. Zum...
Viele alte Bekannte treten auf an diesem Abend. Armida, die männerkritische Zauberin, der fesche Kreuzritter Rinaldo, Clorinda und Tancredi, die sich bekämpfen und lieben. Auch den konfusen Magier Ubaldo und Argante, den Herrscher über Jerusalem, kennen wir aus anderen Opern. Nur: Dass sie alle zusammen vorkommen samt weiteren Christen und Sarazenen, Rittern und...
