Arbeitssieg
Glücklich das Haus, das ein solches Stück mit eigenen Kräften besetzen kann; unglücklich jedoch, wenn es ein Regieteam engagiert, das diesen Kräften durchweg misstraut. Pantomimische und tänzerische Duplikate sind mittlerweile fast schon zur Regel geworden, auch haben wir uns längst an Simultanhandlungen auf der Leinwand gewöhnt, die entweder das Bühnengeschehen tautologisch begleiten oder konterkarieren. Solche Eigenwilligkeiten der Regie, gern als «autonome Denkräume» gepriesen, mögen geeignet sein, italienische Schmalspurtexte zu verbreitern.
«Die Meistersinger» und «Parsifal» eignen sich herrlich für wohlfeile Kritik an Deutschtümelei und Kreuzrittertum – bei «Tristan und Isolde» jedoch mündet jeder Versuch, die Bedeutungsebene des Werkes hermeneutisch zu überschreiten, in eine Kapitulation vor dem Stoff.
Hannover liefert eines der vielen Beispiele dafür. Zwei Butoh-Tänzer sollen uns den Hintersinn dieser Liebestragödie vermitteln, der sich nach Meinung des Regisseurs Stephen Langridge aus Text und Musik nicht ergibt. Die Sänger werden entmündigt, die Zuschauer bevormundet. Der Zusammenhang von Liebe und Tod, Auslöschung und Verschmelzung dürfte den meisten Besuchern, die ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Volker Tarnow
Es ist 60 Jahre her, dass sich ein «zierliches, dunkelhaariges Mädchen mit strahlenden Augen [und] einem wie von Murillo gemalten Gesicht», so berichtet die Chronik des Glyndebourne Festivals, als Cherubino in die Herzen der Besucher sang: die damals 23-jährige spanische Mezzosopranistin Teresa Berganza. Wenig später stand sie neben der (Cherubini-)Medea von Maria...
Der Komponist wollte das Stück nicht im Repertoire sehen – «Libuše» sollte besonderen Anlässen, nationalen Feierlichkeiten reserviert bleiben. Zwar haben es Regierungen aller Couleurs auch so gehalten, und das in heroischen Sekundintervallen wabernde Thema der Ouvertüre dient seit 1918 sogar als offizielle Fanfare des tschechoslowakischen, inzwischen bloß noch...
Traurige Rheintöchter. Seit 1864, dem Jahr ihrer Geburt (im Wiener Kärtnertortheater war’s, unter dem leicht irreführenden Titel «Die Rheinnixen») sitzen sie auf ihrem Loreley-Felsen und warten darauf, dass man sie auf Frankreichs Bühnen bittet. Bislang vergebens. Gut möglich, dass jene Kräfte, die ihren Schöpfer Jacques Offenbach nicht als «französischen»...
