Auf der Wippe

Bonn | Puccini: Manon Lescaut

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Der Zwangseintritt in ein Kloster war im 18. Jahrhundert das Los vieler «überzähliger» Töchter, für die ihre Familien keine Mitgift aufbringen konnten (oder wollten). Die Konvente waren voll von Frauen, die dort ohne jede geistliche Berufung ihr Leben quasi in Haft verbrachten. Der viel kritisierte Materialismus der Manon hat also eine nachvollziehbare Ursache: Er ist das Mittel, mit dem sie sich diesem grausamen Schicksal zu entziehen sucht.

In vergleichbare Zwangslagen geraten junge Frauen heute nur mehr in Ausnahmefällen.

Umso mächtiger wirken Identifikationsangebote und Rollenvorbilder, die ihnen Werbung und Medien aufdrängen – in Deutschland zum Beispiel die TV-Show «Germany’s Next Topmodel». In Italien träumen Tausende junger Frauen davon, eine Velina zu werden, eines der spärlich bekleideten Showgirls in Berlusconis Privatfernsehen. Eine Transposition der Manon-Geschichte in die Gegenwart kann also durchaus sinnvoll sein.

Christine Mielitz’ Bonner Inszenierung scheint am Anfang so etwas anzudeuten: Statt auf einer Postkutschenstation befinden wir uns auf einem modernen Airport; die Kleidung verweist aufs Hier und Heute. Dann aber verflüchtigt sich das Welthaltige immer mehr ...

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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Ingo Dorfmüller

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