Rendezvous der Rache
Sie kommt in Badelatschen daher. Von Kriegswirren keine Spur. Genüsslich beginnt sie sich zurechtzumachen. Duftendes auf die Beine, Feinstrümpfe darüber, Lippenstift, zuletzt noch ein Paar Ohrklunker. Dalila, die Philisterin, erwartet ihren Feind, Samson, den Hebräer, zum Rendezvous der Rache. Im Schlafzimmer ist Dalila Herrin über Lust und Verderben. Doch Samson kommt nicht. Und Dalila wird nervös. Raucht Zigarette. Beginnt zu bangen. «Hélas».
All das wirkt plausibel. Die Irrungen und Wirrungen des Seelenlebens dieser Frau sind genau eingefangen.
Tilman Knabe entwickelt im zweiten Akt seiner Kölner Inszenierung von «Samson et Dalila» ein Psychogramm der beiden Protagonisten. Später, als Samson doch noch kommt, zaudert er zunächst, gibt sich aber, schwach geworden, Dalila hin. Der Akt scheint zu Ende. Der Vorhang schließt sich. Doch plötzlich: Der Vorhang geht wieder auf. Der Schock-Moment: Dalila, von Soldaten umgeben, reckt ihre blutige Trophäe in die Höhe. Nicht die Haare wurden Samson entfernt, sondern sein Geschlechtsteil.
An Rhein und Ruhr hat selten eine Inszenierung bereits im Vorfeld so viel Wirbel ausgelöst wie dieses Kölner «Samson»-Projekt. Das Besondere an dieser vorab ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nirgendwo in Deutschland ist die Infrastruktur für zeitgenössisches Musiktheater so dicht wie in Nordrhein-Westfalen. Neben den zahlreichen Theatern im Land sorgen gleich zwei öffentliche Fonds für Rückenwind (siehe Interview). Und was auf dem Papier vielleicht ein wenig nach bürokratischer Gremienwirtschaft aussieht, erweist sich bei näherer Betrachtung als...
Frau Kirchschlager, gestern Abend haben Sie Ihre erste Carmen gesungen. Wie hat sich das auf der Bühne angefühlt?
Gut. Zum Glück! Mir ist eine Riesenlast von der Seele gefallen, weil es für mich das erste Mal war, dass ich mir eine so wichtige Rolle ohne Regisseur erarbeiten musste und auf mich allein angewiesen war. Eigentlich hatte ich mich enorm auf die...
An den Komponisten Carl Goldmark (1830-1915) erinnern gelegentlich Aufführungen seiner Oper «Die Königin von Saba», die 1875 an der Wiener Hofoper uraufgeführt wurde und schnell zum Welterfolg avancierte. Zehn Jahre lang hatte Goldmark an dem Werk gearbeitet, und es dauerte noch einmal so lang, bis 1886 seine zweite Oper «Merlin» erschien. Es folgten noch vier...
