Markt der Möglichkeiten

Minioper, Monodrama, Multimedia – ein Rückblick auf die zwölfte Berliner MaerzMusik

Opernwelt - Logo

Neue Musik – ein schillernder Begriff. Wertfrei definiert, müsste er eigentlich alles Zeitgenössische bezeichnen. Das sogenannte avancierte Klanggeschehen in Darmstadt oder Donaueschingen wie das Massengut kommerzieller Pop-Produkte. Tut er aber nicht. Wenn von Neuer Musik die Rede ist, schwingt immer ein normativer Anspruch mit: die Forderung nach Unerhörtem, nach substanzieller Erweiterung des Materials.

Im Ruf nach einer «zweiten Moderne» hallt sie noch nach, die Sehnsucht nach dem wegweisend Neuen, nach Klängen, die dem Lauf der Musikgeschichte eine Wende, eine Richtung geben könnten. Müssten. Sollten. Die Erwartungen haben sich nicht erfüllt: Ein belastbarer Konsens über das Neue in der Neuen Musik ist nicht mehr zu erkennen. Stattdessen: Anything goes, jeder darf nach eigener Façon selig werden auf dem globalisierten Markt der Möglichkeiten.

Wenn die seit zwölf Jahren veranstaltete MaerzMusik als «Festival für aktuelle Musik» firmiert, so bezeichnet dieser Untertitel nicht zuletzt die Abkehr vom Denken der alten Avantgarde. Matthias Osterwold, der Künstlerische Leiter des Berliner Festspielunternehmens, feiert lieber das pluralistische Nebeneinander unterschiedlichster ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Jetzt erst recht, gerade jetzt!

Sie hätte weggehen können. Nach Europa oder nach Südamerika. Wohin auch immer. Raus aus dem lebensgefährlichen Chaos, in das der Bürgerkrieg die Stadt und das Land gestürzt hatte. Damals, als in Beirut die Straßenkämpfe begannen. Als Scharfschützen von Dächern und aus Hochhäusern auf alles schossen, was sich bewegte. In wechselnden Koalitionen, bis niemand mehr...

Heftiger Rede tiefer Sinn

Heil sei dem Tag, Heil sei der Stunde». Das klang ihnen so vertraut. Also putzten die Nazis anlässlich ihres Einmarsches in Österreich vor 75 Jahren sich ihre Stiefel an Beethovens «Fidelio» ab, am 28. März 1938 in der Staatsoper. Knappertsbusch dirigierte, Max Lorenz sang den Florestan, Hilde Konetzni die Titelpartie. Hermann Göring war da und stellte sarkastisch...

Kunstvolle Kunstlosigkeit

Die stiff upper lips der britischen High Society wurden noch steifer, als vor sechzig Jahren in der Royal Opera Benjamin Brittens Krönungsoper «Gloriana» uraufgeführt wurde. Statt des erwarteten zeremoniellen Historienspiels zur Krönung von Elizabeth II. wurde dem Publikum das bittere Drama der alternden Elizabeth geboten, die ihre Unterschrift unter das...