Laboratorium für die Künste
Damals, in den studentenbewegten, morgenroten siebziger Jahren, ahnte wohl niemand, dass das schöne Italien, Sehnsuchts- und touristischer Wallfahrtsort unzähliger Nordlichter, eines Tages von Leuten regiert würde, die für die sogenannte «Hochkultur» nur Verachtung übrig haben. Statt, wie heute Berlusconi, die Theater, Orchester und Museen des Landes (nicht nur die großen!) durch eine aggressive Kürzungspolitik in den Ruin zu treiben, herrschte seinerzeit Aufbruchstimmung. Besonders in der Provinz.
Denn es waren vor allem die entlegenen, vernachlässigten Regionen zwischen dem Trentino und Sizilien, die vom politischen Klimawandel in Italien profitierten. Bei den Parlamentswahlen 1976 hatten die Eurokommunisten unter Enrico Berlinguer mehr als ein Drittel der Stimmen gewonnen. Selbst die in Rom etablierte Democrazia Cristiana kam an der neuen Kraft nicht länger vorbei. Und musste mit ansehen, wie Künstler, Intellektuelle und selbst Staatsdiener plötzlich «Kultur für alle» forderten. Es war die Zeit, als Luigi Nono von der ästhetischen Erziehung der Arbeiterklasse träumte, als Claudio Abbado und Maurizio Pollini in Fabrikhallen konzertierten – und als der aus der westfälischen ...
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Als die Met 1991 John Coriglianos «The Ghosts of Versailles» herausbrachte, war jedem klar, dass die Oper zu lang ist. Aber wen interessierte das? Corigliano und sein Librettist William M. Hoffmann hatten in dem von ihnen erfundenen Genre der grand opera buffa eine mitreißende Arbeit abgeliefert, in der Mozarts und Rossinis «Figaro»-Personal auf die Gespenster...
Eine Gemeinschaftsproduktion von Oper und Ballett. Für Christian Spuck, den renommierten Hauschoreografen des Stuttgarter Balletts, ist der Weg des Orpheus, wie ihn Glucks Musik erzählt, eine Jenseitsreise, eine Initiation, die den thrakischen Sänger bei seinem Versuch, seine tote Geliebte wiederzugewinnen, über die Erde hinaus in die Unterwelt und ins Elysium...
Das Jahr 2009 ist ein Jahr der Komponistenjubiläen – man denke nur an Henry Purcell, Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy. Das Interesse an dem vor 50 Jahren verstorbenen Tschechen Bohuslav Martinu freilich hält sich noch immer in engen Grenzen. Dabei weist Martinus umfangreiches Werkverzeichnis allein 14 Opern auf; einige sind...
