Folge den krummen Pfaden
Das höchste Ziel eines Schriftstellers habe es zu sein, die Welt in Sprache zu verwandeln, ihren krummen Pfaden zu folgen und zu sehen, was Sprache mit Erfahrung macht. So Peter Handke. Man könnte dies in erweitertem Sinne – ersetzt man «Sprache» durch «Musik», oder noch besser: verbindet man beides – auch auf Marlis Petersen und ihr Triptychon «Dimensionen» anwenden, das sie nun mit dem Album «Innenwelt» (nach «Welt» und «Anderswelt») abschließt. Dabei stellt sie erneut die Sinnfrage nach dem Leben in Zeiten großer Verunsicherung.
Indes ist ihre Kreativität nicht unmittelbar eigenschöpferisch wie jene Handkes, sondern mittelbar interpretatorisch, doch erzielt sie auch durch eine inhaltlich und musikalisch klug gestaltete Dramaturgie starke Aussagen. Im Sinne einer Kugelgestalt der Zeit verbindet sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, gibt quasi Hilfestellung zum Ausbruch aus dem Alltag, zur Kontemplation über «unser grandioses Leben». In diesem Zusammenhang ruft sie Lieder von Brahms, Liszt, Reger, Schubert, Richard Strauss, Wolf, Wagner, aber auch Trouvaillen von Robert Fürstenthal, Richard Rössler, Hans Sommer und Karl Weigl sowie – im französischen Teil – Henri Duparc, ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché
Weder Oper noch Oratorium. Nicht für die Bühne noch für sakrale Räume gedacht, sondern als «Dichtung» für den Konzertsaal. Robert Schumann stellte sich für das 1843 mit großem Erfolg in Leipzig uraufgeführte Werk «heitere Menschen» vor. «Das Paradies und die Peri»: eine unvergleichliche Komposition, inspiriert durch das erstmals 1817 erschienene Epos «Lalla Rookh»...
Das Verhältnis zwischen Alter und Neuer Welt ist von jeher gespannt und gespalten, zwischen Faszination und Abwehr, Verklärung und Verteufelung: eine Polarität, die sich seit Donald Trump noch dramatisch verschärft hat. «Seine» USA sind für viele vollends zum globalen Feindbild geworden. Aber selbst die Kultur ist von Schizophrenien geprägt. So dichtete Goethe:...
«Le Villi» sind rare Gäste auf der Bühne, zuletzt in Budapest im Frühjahr 2019. Die ursprüngliche, 1883 komponierte Fassung dieser ersten Oper Puccinis kannte man bisher nur aus dem Überblick in Dieter Schicklings Werkverzeichnis. Deren Titel «Le Willis» weist noch in der Verwendung des dem Italienischen fremden «W» darauf, dass es um Fantastisches aus dem nebligen...
