Außenseiter, Kosmopolit, Alleskönner
Überraschen müsste nicht die späte Einsicht, die hier mitgeteilt und begründet wird. Überraschen müsste, dass es dazu so spät erst kommt. Immerhin liegt, worum es hier geht, schon mehr als hundert Jahre zurück, ohne dass es historisch verjährt wäre. Ob die Einsicht – falls sie denn überhaupt einleuchtet – zu heutigen Konsequenzen führen wird, bleibt abzuwarten. Fällig wären Konsequenzen zumal bei den praktischen und theoretischen Sachwaltern des österreichischen heiteren Musiktheaters.
Angezeigt ist die Einsicht schon im Titel dieses Essays.
Etwas üppiger ausgedrückt, besagt er: Ohne die anregende, maßgebliche Mitwirkung des Librettisten und Bühnenkomponisten, des findigen Importeurs und Bearbeiters ausländischer Werke namens Genée, wäre die Wiener Operette unterblieben. Genauer, es gäbe sie nicht als das, was sie dann doch geworden ist: als profiliertes musikdramatisches Genre, familienähnlich zwar mit dem Vorbild der Pariser Operette, doch mit unverkennbar eigenem Gepräge.
Nicht anders als kurz zuvor in Paris war das, was da neu entstand, auch in Wien keine Schöpfung aus dem Nichts heraus. Konkret, es waren zwar, bevor Genée in Wien auf den Plan trat, schon eben jene drei Musiker ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Essay, Seite 26
von Volker Klotz
Pech für den Intendanten und Regisseur. Obwohl er mit einem Mikrofon ausgestattet den Vorhang teilt – wir verstehen kein Wort von ihm. Die Vertreter des Publikums, die «Tragischen» und die «Komischen», die «Lyrischen» und die «Hohlköpfe», die ihn aus den Proszeniumslogen chorisch bedrängen, übertönen den Hausherrn locker. Doch keine Bange, Marc Adam verschafft sich...
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Der erste Eindruck, der sich im Verlauf der ungeheuerlichen, mit paramusikalischen Klängen unterlegten Sturmszene einstellt: dass der 82-jährige Colin Davis im Dezember 2009 mit dem London Symphony Orchestra wohl – gefühlte Zeit – die «schnellste» Aufführung von Verdis «Otello» geleitet hat. Sie hat einen ähnlichen rhythmischen Drive wie die legendäre Aufführung...
