Ihre Ziehtochter

Jossi Wieler, Sergio Morabito und Gabriele Ferro meistern in Stuttgart Bellinis «Sonnambula»

Opernwelt - Logo

Am allerfremdesten bei Bellinis für uns heute so fremder Musik ist ihr Umgang mit der Zeit. Die Zeit spielt klingend nämlich überhaupt keine Rolle. Zumindest die dramatische Zeit, also diejenige, die den Ablauf der Handlung bestimmt. Wenn sich die Ereignisse auf der Bühne zuspitzen, spitzt die Musik überhaupt nichts mit. Sie ergeht sich in elegischem Stillstand. Sie nimmt sich alle Zeit der Welt, weil sie sich für die Welt der Zeit einfach nicht interessiert. Ob da jemand flieht oder dazukommt, wütet oder einfach nur beobachtet: Man hört es nicht.

Darin ist Bellini nicht nur fremd, sondern auch modern. Er lässt alle psychologisierenden und emotionalisierenden Soundtrack-Versuche seiner Kollegen hinter sich. Von nichts ist er weiter entfernt als von italienischen Komponisten, die sechzig, siebzig Jahre nach ihm Opern geschrieben haben. Viel näher ist er den Kollegen, die später eigene Zeitverläufe geschaffen haben: klingende Bewegungen jenseits des Plots. Luciano Berio zum Beispiel, oder auch Bernd Alois Zimmermann.

Das ist keine gewagte These. Spielen Maries Koloraturen in den «Soldaten» keine zentrale Rolle? Führen diese wild gezackten, melodisch fremdelnden Sopranlinien nicht aus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Ins Offene, Freunde

Vera Nemirovas lebhafte und detailreiche Frankfurter «Ring»-Interpretation ist sicher ein gewichtiger Grund dafür, dass geplante Gesamtaufführungen auf Anhieb für ein ausverkauftes Haus sorgten. Und zwar, bevor mit «Götterdämmerung» überhaupt der Schluss des Unternehmens erreicht war. Dieses Finale versetzte die bisher virtuos kompilierte, nach der gewitzten...

Der letzte Tannhäuser?

Katastrophal. Man hört dieses Wort oft, wenn man derzeit mit Theaterleuten in Mecklenburg-Vorpommern spricht. Zu oft, um es als Jammerruf oder Panikmache empfindlicher Künstlerseelen abzuhaken. Es sieht tatsächlich nicht gut aus für die Bühnen zwischen Stralsund und Greifswald, Schwerin und Rostock, Neubrandenburg und Anklam. Anfang der neunziger Jahre hat das Land...

TV Klassiktipps

ARTE
1.3. – 6.00 Uhr
Rolando Villazón präsentiert Stars von morgen.
Junge Sinfonie Berlin, Patrick Lange. Mit Chen Reiss, Benyamin Nuss, Teresa Zimmermann und Maximilian Hornung.

2./8.3. – 6.00 Uhr
Rolando Villazón präsentiert Stars von morgen.
Junge Sinfonie Berlin, Patrick Lange. Mit Nino Machaidze, Eva-Nina Kozmus, Vilde Frang und dem Orlowsky Trio.

4.3. – 18.30 Uhr
9./...