Dunkler Sog
Die «Walküre» wartet mit den Kulissen auf, die wir schon aus dem «Rheingold» kennen (siehe OW 1/2019). Allerdings wurden etliche der Pressspantafeln aus den hohen Wänden gebrochen und liegen trümmergleich am Boden. An Göteborgs Opernhaus ist die Zersetzung von Alison Chittys Einheitsbühne, die in «Siegfried» und «Götterdämmerung» fortgeschrieben werden soll, längst im Gange. Zum Abschluss hintereinanderweg aufführen wird man die Teile dieses ersten «Rings» am Ufer des Göta älv nicht: Das Skelett des einen gibt es im nächsten schon nicht mehr.
Stattdessen wird der gesamte, so «grün» wie möglich produzierte Wagner-Zyklus per 360-Grad-Technik dokumentiert. Zur Auffrischung kann man sich im Foyer einen Neun-Minuten-Schnitt des «Rheingold» anschauen, per VR-Brille, mit körniger Auflösung, aber vollem Raumgefühl.
Auf der Drehbühne kreisen zum Vorspiel langsam Schwangerschaftsbäuche vorbei, stößt Wotan das Schwert in die Weltesche. Das Wälsungen-Zwillingspaar tritt im Kindsalter auf und wird getrennt, ehe schließlich der erwachsene Siegmund in Hundings sparsam möblierter Ikea-Hütte taumelt. Der scheidende Künstlerische Leiter des Hauses, Stephen Langridge, lädt dem Stück nichts auf, ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Wiebke Roloff Halsey
Eine Sache müsse er jetzt noch sagen. Nicht um Musikalisches ging es in diesen Minuten, um das Programm mit Strauss und Brahms, sondern um so viel mehr. Dankbar sei er dafür, sprach Mariss Jansons, wie sehr er mit den Musikern zusammenwachsen durfte, wie man zu einer Familie geworden sei. Die jetzt – und das sagte er nicht, weil es mitschwang in diesen Worten –...
Hans Falladas 1937 veröffentlichter Roman «Wolf unter Wölfen» spielt im Inflationsjahr 1923. Ein Buch der Unruhe, das in vielen Strängen vom Chaos jener Zeit erzählt. John von Düffel hat den Stoff zu einem Libretto verdichtet, Søren Nils Eichberg im Auftrag des Koblenzer Theaters die Musik dazu geschrieben. Vor zwei Jahren wurde am gleichen Ort Eichbergs...
Seit seiner Uraufführung am Petersburger Mariinski-Theater 1890 bildet «Fürst Igor» ein von Bewunderern innig geliebtes Problemkind des Opernrepertoires. Problematisch ist zum einen das Libretto: eine Folge von grob gezeichneten Abziehbildern aus dem mittelalterlichen Russland ohne dramatischen Spannungsbogen oder sprachliche Prägnanz. «Oper» im abgegriffensten...
