«Al gran sole carico d’amore»
In Jürgen Flimms kurzer und kompromissreicher Salzburger Festspielintendanz war es einer der wenigen Lichtblicke: Luigi Nonos so inniges wie monumentales Revolutions-Requiem «Al gran sole carico d’amore», von der Britin Katie Mitchell 2009 in die Felsenreitschule gewuchtet. Von einer «Sensation» schrieb damals «Die Zeit», die «Süddeutsche» war «begeistert», und die F.A.Z. würdigte eine «multitaskend kurzweilige und zugleich opulent kulinarisch wirkende» Produktion. Nun, als Intendant der Staatsoper, holt Flimm sie nach Berlin.
Nicht ins kleine Schiller Theater, sondern ins Heizkraftwerk Mitte. Nach dem Mauerbau wurde das östliche Zentrum der Stadt von dort mit Wärme versorgt. Seit fünfzehn Jahren steht der Betonkoloss funktionslos an der Spree: dreißig Meter hoch und durch Stahlsäulen fast kathedralenartig in drei Schiffe geteilt. Daraus eine Spielstätte, wenn schon nicht für Oper so doch – viel komplizierter – für Nonos antinarratives Bewusstseinstheater zu machen, war teuer. Eine Viertelmillion haben allein die Freunde und Förderer der Staatsoper beigesteuert. Weitere 215 000 Euro stammen aus dem Hauptstadtkulturfonds. Darin liegt Sprengstoff: Eigentlich ist dieser Fonds für die ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Stephan Mösch
Elisabetta, Mimì, Desdemona – alles melancholisch umflorte Damen. Fühlen Sie sich manchmal nur einseitig gefordert? Würden Sie gern mal richtig komisch sein?
Die stimmlichen Voraussetzungen lenken einen ja in eine gewisse Richtung. Gut, die «Idomeneo»-Elettra ist nicht so umflort. Auch Mozarts Gräfin hat Witz. Aber mir machen all diese melancholischen Rollen Spaß....
Die Premiere wurde live auf BR Klassik übertragen und stand unter keinem guten Stern: Beide alternierenden Solistinnen für die Rolle von Wilhelm Tells Sohn Jemmy waren indisponiert. Michaela Maria Mayer spielte immerhin, aus dem Graben sang Einspringerin Claudia Braun, die aber nicht alle Arien der fast immer anders gekürzten Oper kannte, so dass im Schlussakt...
Herr Helmich, die Stadt Bonn lässt in letzter Zeit keine Gelegenheit aus, um ihr Theater zu beschädigen. Das Haus musste in zehn Jahren vierzehn Millionen Euro einsparen, nun soll der Etat um weitere 3,5 Millionen Euro schrumpfen. Was treibt Sie auf die Kommandobrücke eines sinkenden Schiffs?
Das Bonner Theater wird nicht untergehen. Gewiss: Es gab empfindliche...
