Spinnweben in den Celli
Als luxuriöses Dekor der Intimität setzt Erich Wolfgang Korngold das Orchester in seiner Oper «Die tote Stadt» ein. Der sagenhafte Erfolg dieses Stücks, das schon ein Jahr nach seiner deutschen Uraufführung – am 4. Dezember 1920 – an der Met in New York herauskam, liegt vor allem darin, den Ersten Weltkrieg nicht als Bruch mit der opulenten Lyrik des deutschen Fin de Siècle akzeptiert zu haben. Korngold setzt auf Kontinuität.
Und wenn seine Hauptfigur Paul in Brügge, dem Symbol der Moderneresistenz, um seine Frau Marie trauert, dann hilft Korngold seinem Helden wie seinen Hörern über den Verlust hinweg, indem er musikalisch absichert, dass man sich von Liebgewordenem nicht lossagen muss, um weiterzuleben. Es sind die orchestral gepolsterten Intérieurs aus den Orchesterliedern von Richard Strauss um 1900, mit denen auch Korngold die Innenansichten seines Helden möbliert.
In Chemnitz trägt, ganz folgerichtig und tief anrührend, die Robert-Schumann-Philharmonie unter ihrem Generalmusikdirektor Frank Beermann das Stück. Celesta und Triangel haben viel zu tun, um die Welt glitzern und funkeln zu lassen. Beermann hält auf Zartheit und verhindert, dass diese klangliche Verführung zu sehr ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jan Brachmann
Mit Holsts «Savitri» begann es, und Holst-Sinfonietta hieß fortan auch das Orchester. Waltons «Bär» folgte, Korngolds «Stumme Serenade», Brittens «Rape of Lucretia» und «Noye’s Fludde», aber immer auch Zeitgenössisches: Rihms «Jakob Lenz», Anno Schreiers «Kein Ort. Nirgends» oder Claude Viviers «Kopernikus». Eines springt allemal ins Auge: Was die Freiburger Young...
Island ist, geologisch betrachtet, ein Küken auf unserem Planeten. Auch als Republik hat es eine junge (bis 1944 zurückreichende) Geschichte. Die Entwicklung der letzten Jahre stellt trotzdem alles an Tempo in den Schatten. Manche Einwohner des kleinen Landes haben das Gefühl, überrollt zu sein von den Ereignissen. Da ist natürlich die Finanzkrise von 2008, deren...
Eigentlich sollte Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» nie von den Spielplänen verschwinden. Die auf Grimmelshausen beruhende Parabel von dem einfältigen jungen Menschen, der Kriegsleid erfährt, hellsichtig gesellschaftliches Unrecht enttarnt und einen Aufstand der Unterdrückten initiiert, spielt in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, zielte aber...
