Pappnasen in Sibirien

Heinz W. Koch über zwei Spielarten eines Stücks: Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» in Freiburg, «Katerina Ismailowa» in Zürich

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Im Scheinwerferkreis erst eine Hand, dann eine rote Clownsnase, schließlich der, der sie sich aufsetzt: ein kleiner, dicker Mann, den blauen Frack überm Unterhemd, über der Smokinghose. Er stolpert wie Butler James, bloß über den Souffleurkasten, gibt mehrfach vergeblich das Zeichen zum Einsatz der Musik. Wir haben es mit dem wandelnden Leitmotiv des ganzen Abends zu tun, mal mit, mal ohne Pappnase. Es ist Patrick Jones, Freiburgs vielfältig verwendbarer, hochpräsenter Charakter­tenor.

Er ver­einigt etliche Rollen in der einen des «Schäbigen» – zwei Vorarbeiter, den Kutscher, den Lehrer und den Betrunkenen Gast, der die Leiche im Keller der Kaufmannsfamilie Ismailow aufstöbert. Er führt Regie, öffnet das Vorhanghalbrund und schließt es wieder. Hätten wir nicht die Rollennamen preisgegeben – wohl kein Leser käme auf die Idee, hier sei von Dmitri Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» die Rede.
Clownsnase, später auch Glitzertrikots, Federbüsche, viel Farbe in den Gesichtern – die Freiburger Optik ist gewöhnungsbedürftig. Und das ist gewiss auch die Interview-Hypothese des Regisseurs Thomas Krupa, die tragische Heldin Katerina entstamme dem Zirkusmilieu – fürwahr eine kühne ...

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Opernwelt Dezember 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Heinz W. Koch

Vergriffen
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