Hochamt des Nihilismus
Fast 400 Jahre alt ist das Stück, aber es wirkt, als stamme es von heute. Tatsächlich zeigt «L’incoronazione di Poppea» eine Versammlung von Menschen, die nichts anderes kennen als das Ich. Sei es im Rom Kaiser Neros einige Jahrzehnte nach Christi Geburt, sei es im mächtigen, übersatten Venedig des Komponisten Claudio Monteverdi, sei es heute, im Zeitalter der Willkürherrscher und Selfiesticks – die Verhaltensmuster sind die gleichen.
Im Opernhaus Zürich legt Calixto Bieito den Finger genau darauf, und er tut das so unbarmherzig, wie es seine Art ist.
Die Bühnenbildnerin Rebecca Ringst hat ihm einen ovalen Laufsteg entworfen, von der Bühne über den Orchestergraben ins Auditorium und wieder zurück. Das schafft eine ungewohnte Nähe – die noch dadurch unterstützt wird, dass die Video-Einrichtung von Sarah Derendinger das Geschehen scharf heranzoomt und auf zweimal sieben Bildschirmen links und rechts im Raum vergrößert. Die Bühne selbst wird dominiert von einem steil ansteigenden Podest mit zusätzlichen Sitzplätzen sowie einer Mitteltreppe für Auf- und Abtritte.
Die Wirkungsmacht dieses Raumtheaters hat den Vorteil, dass das Egomane der Figuren in Monteverdis Oper krass zutage ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Peter Hagmann
Diese Katze hockt nicht auf dem heißen Blechdach, sie thront auf einem kühlweißen Sofa. Das Raubtier als künftige Königin. Schwarzer Hosenanzug mit deutlichen Seidenanteilen, perfekt an den Körper geschmiegt, darüber die lange, schwarzglänzende Mähne, eine Miene voller Stolz und herrschaftlicher Arroganz sowie blitzende Augen, denen nichts entgeht; an den Füßen...
Eigentlich sollte die «Kacke», wie eine Presseagentur mit Feinsinn anmerkte, im nächsten Jahr so richtig «am Dampfen» sein. Denn dann wollte der amerikanische Rauschebart und Universalkünstler Paul McCarthy, bekannt durch seine Kapitalismuskritik sowie unter anderem durch seine (kapitalistisch grundierten) Pimmel- und Fäkal-Exzesse, den hippen Schwerpunkt für die...
Mit den ersten Moll-Akkorden der Ouvertüre, den prominent auffahrenden, in diesem Werk so wichtigen Paukenwirbeln, ist alles entschieden: Es sollte ein orchestral phänomenaler Premierenabend in Frankfurt werden. Antonino Fogliani, der mit kreisender, aber deutlicher Gestik an gute alte italienische Kapellmeistertradition erinnerte, an Dirigenten wie Giuseppe...
