Mysterienspiel
Zum hypnotischen Ostinato von Henryk Góreckis «Sinfonie der Klagelieder» (Sopran: Debra Stanley) baut sich das erste Motiv auf. Am Boden krauchen Aussätzige. In der Mitte waltet Franz von Assisi – von ihm erzählt Jo Fabians sinfonisches Bildertheater «Francesco» am Staatstheater Cottbus –, oben zeigt sich Christus. Charaktere im altniederländischen Stil vor minimalistischen Kulissen. Später dann eine Abendmahlsparodie: Franz als Gekreuzigter, zu seinen Füßen die Jungfrau, mit totem Reh. Daneben schmaust eine Festgesellschaft.
Nur winzige Bewegungen: Ein Betrunkener rutscht unter den Tisch; ein Kellner staubt die Gäste ab. Und das Orchester unter Evan Christ spielt Gavin Bryars «Jesus’ Blood Never Failed Me Yet». Aus Lautsprechern der Gesang des Obdachlosen – das berührt. Zum Schluss donnert der Chor John Debneys «Resurrection» aus Mel Gibsons Film «The Passion of the Christ».
Der Abend schlingert heftig zwischen Kitsch und Schönheit. Von Ersterem gibt’s reichlich. Aber Letztere eben auch. Nach Hause fährt man ohne Reue. Und eingezuckert von Kopf bis Fuß.
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Wiebke Roloff
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