Schwarze Witwe
Als Donizettis «Don Pasquale» 1843 uraufgeführt wurde, kam dem Rezensenten der «Leipziger Illustrirten Zeitung» die äußerliche Handlung reichlich abgestanden vor. Der alte Geizhals Don Pasquale, der sich eine junge Frau angelt, um dann unter ihren Pantoffel gestellt zu werden, sei der «Schatten eines längst Abgestorbenen, den man vergessen hat zu beerdigen, und der [...] wie ein verdammter Geist über alle Theater Italiens einherwandelt».
An manchen Stereotypen der Handlung und der Charaktere mögen wir uns heute weniger stören, weil die Massenproduktion, in deren Kontext der Kritiker Donizettis Stück zu sehen wusste, zum Großteil vergessen ist. Dafür stellt sich im Zeitalter der politischen Korrektheit die grundsätzliche Frage, ob es statthaft ist, sich über eine Heirat altersmäßig ungleicher Partner zu amüsieren oder die Rollenklischees des Stücks zu bedienen.
Es ist ehrenwert, dass sich der Regisseur Hinrich Horstkotte diesem Problem stellt. Dabei sucht er die Lösung nicht in der Verharmlosung, sondern in der Zuspitzung: Er lässt den weltfremden Don Pasquale, den er zunächst wie einen verlotterten Einstein ausstaffiert, zum Opfer seiner mafiösen Umgebung werden. Die begehrte ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Carsten Niemann
Die Hoffnung, dass alles schon irgendwie gutgehen wird – in Annie Proulx’ Wyoming-short stories wird sie kunstvoll langsam, aber gnadenlos zermalmt. Vielleicht ist es das, was Charles Wuorinen bei der Veroperung von «Brokeback Mountain» (siehe OW 3/2014) mit seinen unwirschen Orchestertexturen einfangen wollte. Sie treffen den Nerv der zermürbenden Streitereien,...
Der Befund ist kaum neu: So wie das Schauspiel immer weniger seinen Texten vertraut und durch den Griff der Protagonisten nach dem obligatorischen Mikrofon zum Musiktheater wird, so wird in der Oper der Vertrag mit der Partitur brüchiger. Solange aber Uraufführungen als Auftragswerke in den herkömmlichen Opernbauten und unter den üblichen Bedingungen genormter...
Ob das Städtchen wirklich existiert, jener Küstenort, zu dem der Pariser Buchhändler Michel sich aufmacht? Den Bahnhof, auf dem er ankam, gibt’s schließlich bald auch nicht mehr. Michel ruht nicht eher, bis er die junge Frau wiederfindet, die er drei Jahre zuvor hat singen hören: ein Liebeslied, das durch ihr geöffnetes Fenster zu ihm drang. Doch womöglich ist auch...
