Wie viele Köche verderben den Brei?

«Hoffmanns Erzählungen» im Theater an der Wien

Opernwelt - Logo

Hier kocht der Chef. In der Welt der Küchenschlachten und Topfgeldjäger gilt dies als Referenz. Doch kann das gelegentlich auch schiefgehen – wenn nämlich der an sich zuständige Maître sich bei den Zutaten vergreift. Im übertragenen Sinne ist dies nun dem Wiener Stagione-Opern-Kulinarikum (das freilich über solch rein Kulinarisches meist hinauslangt) passiert, weil der mit vielen Erwartungen engagierte Haubenkoch die Suppe versalzen hatte. Worauf der Chef persönlich eingriff.

Andersrum gesagt: Roland Geyer, Intendant des Theaters an der Wien, bootete Oscar-Preisträger William Friedkin («The Exorcist») aus, dessen Inszenierung von Offenbachs «Hoffmanns Erzählungen» sich als Flop erwies, und nahm die sommerliche Wiederaufnahme selbst in die Hand. Ob er damit auch alle Feinschmeckergaumen kitzeln konnte, bleibt freilich dahingestellt.

Von vornherein war klar, dass die vielfach gefeierte Marlis Petersen in dieser zweiten «Hoffmann»-Serie im Juli die vier Sopranpartien (inklusive der – in der hier benutzten Kaye-Keck-Ausgabe – ebenfalls singenden Stella) übernehmen würde. Woraus sich eine andere Sicht aufs Werk ergab als diejenige, die Friedkin bei der Premiere vorstellte. Dem Vernehmen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Magazin, Seite 94
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Bekräftigung alter Maßstäbe

Was haben «Carmen» und «Don Giovanni» gemeinsam? Nichts. Wenn die jüngsten CD-Veröffentlichungen beider Opern an dieser Stelle dennoch gemeinsam gewürdigt werden, hängt das mit der Entstehung beider Produktionen zusammen. Im letzten Jahrzehnt sind neue Opern-Veröffentlichungen auf CD selten geworden, zugunsten der DVD. Meist handelt es sich (wie bei den...

Blauweiß karierte Charmeoffensive

So stellen sich die Bayern ihren weiß-blauen Himmel eben vor: als allerliebreizendstes Barockputten-Paradies, in das man freilich bei Ablauf der Lebensfrist nicht unbedingt berufen werden will. Man kann ja schließlich auch Gevatter Tod, hier Boandlkramer genannt, mit «Kerschgeist» beim Karteln unter den Tisch saufen. «Der Brandner Kasper», nach Franz von Kobells...

Infos

Abschied

Ein Jahr vor ihrem Tod haben wir in ihrem Dresdner Intendantenbüro zusammengesessen. Es ging um die Semperoper, um Christian Thielemann, den sie gerade als Chefdirigent für die Staatskapelle gewonnen hatte, um Gott und die Welt. So war es immer, wenn man mit Ulrike Hessler sprach. Auf Kritik konnte sie auch mal dünnhäutig reagieren, aber sie war nie...