Alles spricht
Niccolò Jommelli, dessen Schaffensperiode sich von 1737 bis 1772 erstreckt, ist mit Abstand der begabteste und interessanteste italienische Opernkomponist jener Dekaden, ja sogar eine der bedeutendsten Erscheinungen des gesamten 18. Jahrhunderts», so David Kimbell in seinem Standardwerk «Italian Opera». Und der britische Gelehrte stellt fest: «Keinem andern großen Opernkomponist mit vergleichbar durchschlagender Wirkung auf die Zeitgenossen wird es so wie Jommelli verwehrt, seine Wirkung auf uns Nachgeborene auszuüben.
»
Diese Ausgrenzung dürfte auf die Ablehnung jenes Genres zurückzuführen sein, in dem Jommelli brillierte: der Opera seria. Kaum ein Vorurteil der Musikgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts hat sich als derart zählebig erwiesen wie das über jene Theaterform, die von den Zeitgenossen als «dramma per musica», also als «Drama für Musik» bezeichnet und verstanden wurde, und die bis heute als höfisch-dekorative Repräsentationskunst oder Tummelplatz sinnloser Sängereitelkeiten denunziert wird. Keine Opernkritik, die sich für ein Werk Händels, Glucks oder Mozarts begeistert, versagt sich den Seitenhieb auf die «lähmenden Konventionen» der Seria, denen sich diese ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Essay, Seite 42
von Sergio Morabito
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