Meisterhafter Stilmix
Wenn Oper in der Oper zitiert wird, ist das meist Ausdruck von Komik. Hans Krása setzte noch eins drauf. Wenn er im Finale des ersten Akts seines Bühnenwerks «Verlobung im Traum» das Mädchen Sina «Casta Diva» aus Bellinis «Norma» anstimmen lässt und die Arie sich in verbaler und musikalischer Polyphonie verfängt, ist das ein virtuoses Doppelspiel mit Komik und Tragik. Sina wird gezwungen, für den reichen, alten Fürsten zu singen, mit dem ihre Mutter sie verkuppeln will – die demonstrativ besungene Keuschheit gilt ihrer fernen Liebe, Fedja.
Der Deutsch-Tscheche Krása hat seine Vorlage, eine Novelle von Dostojewski, grandios eingefangen – Simultanmusik, die die Grenzen der Tonalität berührt, aber nie sprengt.
Dass das Badische Staatstheater diese Oper auf den Spielplan hebt, ist ein großes Verdienst. Von Krása, dem wegen seiner jüdischen Wurzeln von den Nazis in Auschwitz Ermordeten, fand nach dem Krieg lediglich die Kinderoper «Brundibár» (die, welche Perfidie, von Kindern des KZ Theresienstadt aufgeführt werden musste) bescheidene Beachtung. Dabei war der «Verlobung im Traum» bei der Uraufführung 1933 in Prag großer Erfolg beschieden. Kein Wunder, zeugt das Stück doch von großer ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Alexander Dick
Es vergeht kein Monat, ohne dass neue hörenswerte Aufnahmen mit Countertenören auf den Markt kommen. Drei der vier Sänger, deren neueste Alben hier vorzustellen sind, gehören schon zu den etablierten Vertretern ihres Fachs. Der junge Italiener Raffaele Pe ist noch nicht so bekannt, und ob es ihm gelingen wird, zu den Stars der Countertenorszene aufzuschließen,...
Draußen scheint der Kampf noch in vollem Gang. Eine Sirene ertönt. Es fallen Schüsse. Ein ewiger Aufschrei, unterbrochen allenfalls von den Marschtritten unzähliger Soldaten. Drinnen im Theater dagegen Totenstille. Erst nach und nach erheben die Gefallenen ihre Stimmen, wortlos weinend in der Finsternis, die sie umgibt. Sie steigen nicht aus den Gräbern, die nach...
Mist. Es weihnachtet schon wieder. Nicht, dass ich diese Jahreszeit nicht mag. Nur ist für uns Sänger jetzt sozusagen rush hour. Früher hieß Weihnachten für mich vor allem, «Messias» singen. «Messias», «Messias», «Messias», bis zum Abwinken. Ich wette, meine deutschen Kollegen würden dasselbe über das «Weihnachtsoratorium» sagen. Bloß der Satz wäre viel länger.
Als...
