Exilanten des Betriebs

Viele Komponisten aus der DDR werden 25 Jahre nach dem Fall der Mauer kaum mehr aufgeführt. Stehen sie doch einmal auf dem Spielplan, führt man sie gern wie wunderliche Exponate im «ästhetischen Zoo» vor. Ein überfälliger Zwischenruf

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Im November 1989 feierte Christfried Schmidt. Nein, nicht weil die Mauer fiel. Obwohl er nichts dagegen hatte; er begrüßte die sogenannte Wende durchaus. Kaum ein Komponist nämlich dürfte den schikanösen Doppelsinn des Vermerks «Wohnhaft in der DDR» schmerzhafter erfahren haben als er. Jahrelang wurde seine Musik daheim nicht gespielt; seine Aufnahme in den Komponistenverband zog sich zäh hin. Die ersten Uraufführungen hatte er 1970 in Tokio und 1971 in Nürnberg, ohne dass er dabeisein durfte.

Aber von seinen Kollegen, die längst in den Westen gereist waren, von Friedrich Goldmann oder Paul-Heinz Dittrich, erfuhr er auch, warum sie immer wieder zurückkamen in ihr enges, muffiges Land: «Die haben gemerkt, wie hart das ist, im Westen Aufführungen zu bekommen, wie man da Klinken putzen muss bei Intendanten, Rundfunkredakteuren und Orchesterdirektoren. In der DDR war das einfacher; da wurden sie gespielt.»

Im November 1989 feierte Christfried Schmidt in Berlin-Prenzlauer Berg, weil endlich seine Oper fertig war: «Das Herz», nach einer Novelle von Heinrich Mann. Drei Jahre hatte er daran gearbeitet. Mitte der 80er-Jahre war er auf den zwölfseitigen Prosatext gestoßen, den Heinrich Mann ...

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Opernwelt November 2014
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Jan Brachmann

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