Giordano: La Gioconda

Barcelona

Opernwelt - Logo

Umberto Giordanos «La Gioconda» mag in puncto Unglaubwürdigkeit der Handlungsabläufe Verdis «Trovatore» oder «Forza» und so manche Barockoper weit übertreffen, uninszenierbar ist sie keineswegs. Aber zunächst einmal müss­te der (Bühnen-)Raum stimmig sein. Schwarzes Gusseisen, venezianische Brü­ckenlandschaften, triste Beleuchtung und Nebelschwaden erzeugen keine ­Atmosphäre, da mögen die Karnevals­sequenzen noch so rot leuchten und die Tanzszenen noch so solide choreografiert sein.

Für szenische Logik wäre auch eine Personenführung nötig, die glaubhaft macht, dass die in Text und Musik melodramatisch hervorgekehrten Gefühle – Eifersucht und bitterer Hass, aber auch Liebe als Eros und Caritas – sich zwischen Menschen Bahn brechen und nicht nur zwischen singenden Kostümträgern. Die wirklichen, zu Recht vom Pub­likum am meis­ten gefeierten Stars der Aufführung in Barcelona waren denn auch Ángel Corella und Letizia Giuliani mit einem exzellenten Pas de deux zum «Tanz der Stunden», der das Stück freilich genauso sprengte wie die Matrosenszene zu Beginn des zweiten Akts mit barfüßigen und (zur Karnevalszeit im Februar!) groß­­teils halbnackten, musku­lösen Sta­tis­ten, die Segel hissen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 60
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eötvös: Le Balcon

Seit 1991 stemmt sich Walter Kobéra nun schon gegen das Verdikt, dass neues Musiktheater in Wien allenfalls als Festivalgabe ans Publikum zu bringen sei. Und das mit trotzigem Erfolg. Jährlich vier Premieren bietet seine durch städtische und Bundesmittel mit rund sechshunderttausend Euro unterstützte Neue Oper. Dass man sich ausschließlich um Werke der klassischen...

Finnische Puccinis

Nicht erst die Pisa-Studie hat Finnland an die Spitze gebracht, auch der seit dreißig Jahren anhaltende, die Komposition breitenwirk­samer zeitgenössischer Oper betreffende Boom ist in diesem Land mit seinen gerade mal fünfeinhalb Millionen Einwohnern bemerkenswert und wird zunehmend auf Bild- und Tonträgern reflektiert – ausschließlich von fast immer exzellenten...

Der Mann am Klavier

Ein Klotz mit sechsundsechzig CDs: «Michael Raucheisen. The Man at the Piano.» Wer war der Mann am Klavier? Darauf kann man am besten mit einer Anek­dote aus den Memoiren von Frida Leider antworten: «Über seine Berühmtheit als Konzertbegleiter kursierte in Berliner Künstlerkreisen folgender Scherz: ‹Liederabend Michael Raucheisen. Am Sopran: Sängerin X.›»
Raucheisen...