Agonie des Realen
Francis Poulencs 1957 an der Mailänder Scala uraufgeführte Oper «Dialogues des Carmélites» schien damals ihres religiösen Sujets wie ihrer weitgehend tonalen Musik wegen aus der zeitgenössischen Entwicklung herauszufallen. Heute erweist sich das wieder häufiger gespielte Stück als eigenständiges Ausnahmewerk in der Nachfolge von Debussys «Pelléas et Mélisande». Seine scheinbar untheatralische Handlung kann eine fast traumatisierende Wirkung entfalten.
Das von Poulenc selbst eingerichtete Libretto beruht auf dem gleichnamigen Schauspiel von Georges Bernanos, der seinerseits Gertrud von Le Forts Erzählung «Die Letzte am Schafott» dramatisiert hat. Zugrunde liegt eine Episode aus der Französischen Revolution: die Vertreibung der Karmeliterinnen von Compiègne aus ihrem Kloster und ihre Hinrichtung als Glaubensmärtyrer im Juli 1794, elf Tage vor dem Ende des terreur der Jakobiner. Verbunden ist dieses Ereignis mit der von Le Fort erfundenen Geschichte der Blanche de la Force, die in den Orden eintritt, um ihre quälende Daseinsangst zu überwinden. Nach der erzwungenen Auflösung und Verfolgung des Ordens sucht Blanche in ihrem ehemaligen Vaterhaus Zuflucht als Magd; als sie hört, dass ...
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«Verantwortungslose Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt», ist nach Karl Kraus das Wesen der Operette. Das gilt auch für Witold Gombrowicz’ 1966 entstandenes Schauspiel «Operette», ein grotesk-surrealistisches Pandämonium über die Achterbahnfahrt des 20. Jahrhunderts zwischen Klassenkampf und Faschismus, zugleich aber...
Sie ist lange Jahre eines der großen unterschätzten Werke des 20. Jahrhunderts gewesen, Othmar Schoecks grandiose, düster glühende Kleist-Vertonung, aber jetzt scheint ihre Zeit gekommen zu sein. Nach Cottbus (OW 12/2003), Basel (OW 12/2007) und Dresden (OW 4/2008) legt Lübeck eine außerordentlich geglückte Inszenierung des Werks vor, die nahe an seinem Wesenskern...
