Leonora im Wunderland
Ob Filme unbedingt den Auftritt von Stars brauchten, wurden neulich die Coen-Brüder gefragt. Das sei, antworteten sie, «ein sehr kompliziertes Thema, über das man stundenlang reden könnte». In der Oper ist die Sache so eindeutig wie im Fußball: Stars auf dem Spielfeld, besser: ein Superstar, steigern für viele Menschen den Erlebniswert einer Veranstaltung, sie vermehren – von Anna Netrebko bis Franck Ribéry, von Plácido Domingo bis Ronaldo – ihre Effektivität beim Publikum und damit ihren Marktwert.
Anna Netrebko und Plácido Domingo an der Berliner Staatsoper im Schiller Theater zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne, obendrein mit Rollendebüts, die das jeweilige Stimmfach erweitern – mehr Aufmerksamkeit, mehr Hype konnte ein deutsches Opernhaus allein schon mit der Ankündigung dieses «Trovatore» nicht erzeugen, dem Musikchef Daniel Barenboim mit seiner Berliner Staatskapelle klangdramatisches Leben einflößen würde.
Die berühmteste, auch am Boulevard schillerndste Operndiva der Gegenwart und der legendäre Tenor der Epoche gestalten zwei der leidenschaftlichsten Verdi-Partien – sie die im Liebeswahn zur Selbstauflösung neigende Leonora, er den Grafen Luna, der seiner sexuellen ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Wolfgang Schreiber
Wie treffend, wie irreführend hat Ferruccio Busoni den Begriff «Opernspiel» für seine «Doktor Faust»-Oper gewählt. Von der Leichtigkeit eines Spiels hat dieses Werk nichts. Busoni, der, trotz seiner Herkunft, seinem Temperament nach eher ein Nördler denn ein Südländer war, zergrübelt diese Oper – was passend ist, bei diesem Stoff. Und doch ist es ein Spiel. Busoni...
Nicola Antonio Porpora komponierte die Serenade «Gli orti esperidi» 1721 als Geburtstagsgruß an Kaiserin Elisabeth Christine von Wolfenbüttel, deren Gatte Karl VI. u. a. über das Königreich Neapel herrschte. Die Geschichte dazu lieferte der blutjunge Librettist Pietro Metastasio: In Begleitung ihres Geliebten Adonis steigt Venus hinab in den Garten der Hesperiden,...
Mit Andrea Moses in Stuttgart und Christof Loy an der Deutschen Oper Berlin haben fast gleichzeitig zwei Regisseure zu Verdis «Falstaff» gegriffen, die bisher nicht gerade als Komödianten hervorgetreten sind. Verdis bitterböses Weltabschiedswerk mit seiner verführerischen Mischung aus schauspielhaftem Tempo und musikalischer Beweglichkeit ist szenisch schwer zu...
