Im Focus der Ausgabe Dezember 2010
1979 wurde die dreiaktige Fassung von Alban Bergs «Lulu» an der Opéra de Paris uraufgeführt, vervollständigt von Friedrich Cerha. Eine Sensation damals. Trotzdem ist die Kritik am dritten Akt seitdem nicht verstummt. Überfrachtet, schwer durchhörbar, eben doch nicht wirklich Berg, hießen – pauschal zusammengefasst – die Einwände. Sie galten weniger der Ergänzung von Details als dem Versuch insgesamt. Andererseits lebt das Stück eindeutig von seiner Symmetrie, die ohne den Finalakt niemand nachvollziehen kann.
Eberhard Kloke hat jetzt eine neue Version dieses Aktes erarbeitet, die die Schwächen der Cerha-Fassung meidet und in Kopenhagen erstmals zur Diskussion gestellt wurde. In Brüssel setzt sich die große Regisseurin Andrea Breth zum ersten Mal mit Janácek auseinander. In Madrid kommt die erste Produktion heraus, die Gerard Mortier, der neue Chef des Teatro Real, selbst verantwortet: «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny», von La Fura dels Baus ganz ohne Video-Animation umgesetzt. Wien und Graz präsentieren die beiden Jugendstilopern von Richard Strauss: «Ariadne auf Naxos» und «Die Frau ohne Schatten». Und wie (er)geht es eigentlich Puccinis Dauerbrenner «La Bohème» in der ...
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Im gegen den Zuschauerraum weiß abgeschirmten Bühnenportal tut sich während der Ouvertüre ein kleines Rechteck auf, man sieht altertümliche Modellhäuschen, Giebelchen, Türmchen. Dann kommen Kinder und räumen das Ganze weg, auf Nimmerwiedersehen. Alt-Nürnberg als Kinderkram? Bezieht der Titel dieser Oper sich nicht metaphorisch, aber eindeutig auf das Nürnberg der...
Ursprünglich nannte Walter Braunfels seine Oper «Die heilige Johanna». Und das Libretto basiert auch nicht, wie meist angegeben, auf den Prozessakten, die er gar nicht lesen konnte, sondern auf George Bernard Shaws gleichnamigem Erfolgsstück. Es ist eine klassische Literaturoper mit Einsprengseln aus Shakespeare, Schiller und dem Urteil der historischen Jungfrau...
Geschäftig wuseln die Streicher des RSO Wien, von Dirigent Bertrand de Billy energisch angetrieben, in den ersten Takten von «Ariadne auf Naxos». Beflissen eilt diese Musik voraus, möchte den Hörer führen wie der diensteifrige Einheimische den ortsunkundigen Fremden.
Doch wohin? Zunächst in einen «tiefen, kaum möblierten und dürftig erleuchteten Raum im Hause eines...
