Stiller Könner
Obwohl er an den bedeutendsten Opernhäusern der Welt arbeitete, war Heinrich Hollreiser nie ein Pultstar. Keine schillernde, exzentrische Persönlichkeit wie Herbert von Karajan, kein grantelnder Schwieriger wie Karl Böhm, kein exaltierter, liebenswerter Narziss wie Leonard Bernstein, zu deren Generation er gehörte. Heinrich Hollreiser war ein stiller Star. Er glänzte durch seine Arbeit, nicht durch sein Image. Es ging ihm darum, ein Werk zum Leben zu erwecken.
Als er sehr spät in seiner Laufbahn noch einmal den «Ring des Nibelungen» an der Deutschen Oper Berlin dirigierte, gab es gerade unter jüngeren Opernbesuchern nicht wenige, die vor Beginn des Zyklus Skepsis äußerten. Schon nach dem «Rheingold» wurde klar, dass diese leicht abschätzige Haltung völlig unangebracht war. Hollreiser war ein Theatertier und mit allen Wassern gewaschen. Er wusste genau, wie’s geht. Nach der «Götterdämmerung» war die Skepsis Bewunderung gewichen.
Seine musikalische Ausbildung erhielt Hollreiser in seiner Geburtsstadt München. Bereits im Alter von siebzehn Jahren dirigierte er eine Studioaufführung von Webers «Freischütz». Nach ersten Engagements in Wiesbaden, Darmstadt, Mannheim und Duisburg ...
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Seit Robert Wilson Wagners «Parsifal» 1991 in Hamburg in ein statisches, antipsychologisches Epos verwandelte, gelten Operninszenierungen des amerikanischen Bühnenkünstlers an etablierten europäischen Häusern als intelligente, nicht zuletzt optisch dankbare Alternative zu den psychologisierenden Deutungen des verbreiteten Regietheaters. Wilsons in blaues Licht...
Gehäufte Schönheiten und Sinnigkeiten, bekannte der Dichter, habe er an seinem inneren Auge vorbeiflanieren sehen, als er die Schlussszene vernahm: das erste Auftauchen der Schwert-Idee, die wundervolle Manipulation des Walhall-Motivs, Loges genial charakterisierende Zwischenreden und vor allem jenes unbeschreiblich sentimental zu Herzen gehende «Treulich und treu...
Anlass war eine Hochzeit. Der Herzog von Parma, Enkel von Louis XV., ehelichte die Erzherzogin von Österreich, Marie-Amélie, ihres Zeichens Schwester von Marie-Antoinette – eine Art europäisches Verwandtschaftskomplott sozusagen. Der Hof von Parma hatte Christoph Willibald Gluck mit den musikalischen Festlichkeiten beauftragt, zumal die Braut mit dem Komponisten...
