Zweisprachig
Süß, diese Schäfchen. Wirklich entzückend, wie sie da, inmitten der glanzvoll kostümierten und choreografierten Singspiel-Schar, auf ihren blauen Rollen unschuldig weiß übers Parkett gerollt werden und dabei ganz zärtlich und dumm ausschauen – was wiederum zu der an diesem vornehmen Orte erzählten, tränenrührenden Geschichte wunderbar passt: Denn was wäre ein pastorales Intermezzo, gegeben zum Gefallen der höfischen Gesellschaft und trefflich geschmückt mit dem zauberhaften Titel «Die ehrliche Schäferin», ohne diese niedlichen Tierchen? Nichts wäre sie.
Deshalb: Man mag zum Kitsch in der Kunst stehen, wie man will. Für das dritte Bild von Tschaikowskys Oper «Pique Dame», in dem eine Parabel das gleich mehrere Existenzen vernichtende Drama für eine Viertelstunde auf lichte Ebene hievt, dient der Kitsch als dramaturgische Triebfeder, dient er gleichsam als Antiphon zu dem, was auf der Bühne verhandelt wird. Die Realität lauert dahinter. Und die sieht nicht eben rosig aus für die Protagonisten.
Nicht eben rosig, das ist auch die Situation des Volkstheaters Rostock. Wie andernorts auch, wird hoch droben im Norden gespart. Nur wird es gleich in einer Art und Weise getan, dass man in ...
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Osnabrück koppelte Henzes selten gespielten Opernerstling «Das Wundertheater» und Ravels musikalisches Märchen «L'Enfant et les Sortilèges» zu einem originellen Doppelabend. Henze hat in der 1948 uraufgeführten Kammeroper (gespielt wurde die Fassung für Sänger aus dem Jahr 1964) geschickt den von Cervantes stammenden Text mit einem politischen Widerhaken...
Rossinis «Barbiere» wird, allen unter der heiteren Oberfläche verborgenen Abgründen zum Trotz, gern auf den Boulevard der unbekümmerten Lustbarkeiten geschickt. Wer Doktor Bartolo als gockeligen Trottel vorführt, Rosina als ein in Liebesdingen vollreifes Girlie präsentiert, Almaviva zum flotten Freier stilisiert und in Figaro die auf Verkupplungsgeschäfte...
Er liebt seine Jungen, vielleicht allzu sehr. Das verzeiht er sich nicht und quält sie, sucht die Berührung in der Aggression, stößt sie weg von sich, um sie danach umso zärtlicher wieder an sich zu drücken. Und den Neuen küsst er dort auf den Nacken, wo er ihm vorher einen blauen Fleck verpasst hat. Peter Grimes ist in der Innsbrucker Erstaufführung von Brittens...
