«Leicht muss man sein»
Herr Thielemann, brauchen wir nach der Kanon-Debatte in der Literatur auch eine vergleichbare Diskussion für die Musik?
Klassiker sind wie das tägliche Brot. Wir kämen nicht auf die Idee zu sagen: Ab morgen werden wir nicht mehr mit Wasser duschen, weil uns dieses Wasser nach Jahrtausenden jetzt auf den Senkel geht. Und so sehe ich das auch mit den Klassikern. Allerdings fällt mir auf, dass sich viele jüngere Dirigenten seltener daran wagen, vielleicht weil dann offenbar wird, wie gut oder schlecht diese Stücke dirigiert werden.
Sie haben sich bei den Münchner Philharmonikern einen Vertrag ausbedungen, der das Orchester vor Sparmaßnahmen schützt. Was empfehlen Sie Orchesterleitern in kleineren Städten, meinetwegen in Albstadt, St. Ingbert oder Waiblingen, die um die Existenz ihrer Orchester kämpfen?
Man muss den Politikern klar machen – und viele wissen es ja mittlerweile –, welch große Wirkung Kunst für einen Ort hat. Ich kann meinen Kollegen nur raten: Hände weg von diesen so genannten überintellektuellen Programmen. Natürlich steckt, wenn eine Saison einem übergeordneten Thema verpflichtet ist, meist ein kluger Gedanke dahinter. Aber bitte: Bedient auch das normale Repertoire! ...
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Auf CDs von Vesselina Kasarova fehlt Händel fast gänzlich. Erstaunlich genug, denn ihrem samtig verbrämten, koloraturflockigen Mezzo ist Barockes jederzeit zuzutrauen. Mit der Titelpartie in «Ariodante» gab Kasarova jetzt so etwas wie ihr großes, szenisches Händel-Debüt. Und zeigte, dass Nicht-Spezialistinnen heute die aussagekräftigeren, vielschichtigeren...
Warum nicht einmal so, wie sich Richard Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» am Luxemburger Grand Théâtre in der Fassung der Berliner Volksbühne präsentieren? Was exaltierte Musiktheaterregisseure schon alles mit der deutschsten aller deutschen Opern angestellt haben, wobei sie sich stets furchtsam an die komplette Partitur klammerten, das kann einen...
Herr Mölich-Zebhauser, wieviel Ihrer Arbeitszeit widmen Sie der Akquisition von Fördergeldern, wieviel der Kunst?
Als ich vor acht Jahren in Baden-Baden anfing und das Haus rote Zahlen schrieb, musste ich zwei Drittel meiner Zeit finanziellen Dingen widmen. Heute sind es nur noch vierzig Prozent.
Ist es nicht frustrierend, wenn man dauernd reiche Menschen umwerben...
