Krachblechern
Wolfram Koch stakst donquichotesk einher. Er führt seine allenthalben klappernde, raschelnde und knirschende Rüstung spazieren. Stapft und torkelt, stolpert und kriecht – ein krachblecherner König Artus, der England wider die eingefallenen Sachsen verteidigt und deren König Oswald obendrein die schöne, blinde Emmeline wieder abspenstig macht. Aber sie liebt ja sowieso nur ihn.
Wolfram Koch oder Jean-Pierre Cornu, Annika Meier oder Corinna Harfouch (als etwas starr-statischer Zauberer Merlin) – sind wir denn nicht im Zürcher Opernhaus, sondern ein paar hundert Meter bergauf im «Pfauen», dem Zuhause des Schauspiels? Doch, doch, es hat alles seine Richtigkeit. Die Mühe gilt Henry Purcells Semi-Opera «King Arthur», deren Musik (Songs, Tänze, Ensemble-Komplexe) John Drydens Texten die Waage hält, halb Oper halt und halb Sprechtheater. Dessen beträchtlicher Anteil wurde von der Dramaturgin Sabrina Zwach mitunter rechtschaffen schnoddrig eingedeutscht.
Die Musik mischt sich beinahe unauffällig ins angeregte Premierengeplauder, das schon dem Publikum 1691 in Londons Dorset Garden mindestens ebenso wichtig war. Doch Zürichs hauseigenes Spezialensemble La Scintilla erspielt sich unter dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Heinz W. Koch
Im September 2013 fand in Winterthur eine Tagung zu Biografie und Schaffen von Walter Braunfels statt, deren Beiträge inzwischen gedruckt als Sonderband der Reihe Musik-Konzepte vorliegen. Warum Winterthur? Weil dort Werner Reinhart saß, Kaufmann und langjähriger Mäzen von Braunfels. Ihm und dem nicht ungetrübten, aber letztlich stabilen Verhältnis der beiden ist...
Es gibt Partituren, die nach ihrer Uraufführung vergessen werden, im Strudel der Gezeiten untergehen und am Ende nurmehr eine Fußnote wert sind. Umso hellhöriger wird man, wenn im ausgehenden 17. Jahrhundert selbst Jahrzehnte nach einer Premiere noch über deren sensationellen Erfolg berichtet wird. Mag dies der Kompilationssucht der Zeitgenossen geschuldet sein,...
Ein grauer Morgen in Quedlinburg, es nieselt, die Temperaturen werden nicht über fünf Grad steigen, der Himmel liegt so tief, dass die Wolken am Turm der Stiftskirche hängen zu bleiben drohen. Mon Dieu, wie soll man so einen deprimierenden Sonntag nur durchstehen? Gehen wir doch einfach in die Oper! Um 15 Uhr wird Daniel François Esprit Aubers «Fra Diavolo»...
