Der andere Pfitzner

Chemnitz, Pfitzner, Die Rose vom Liebesgarten

Opernwelt - Logo

Hans Pfitzner ist durch Ingo Metzmachers Aufführung der Eichendorff-Kantate «Von deutscher Seele» (1921) mit ihrem völkisch dröhnenden Schluss «Fass das Steuer, lass das Zagen» am Nationalfeiertag wieder als unverbesserlicher Antisemit, Nazi-Sympathisant und Reaktionär ins Gerede gekommen. Die harfenumrauschte Elfen-Oper «Die Rose vom Liebesgarten» (1901) nötigt dazu, das Urteil zumindest für den jungen Pfitzner zu revidieren.

Mendelssohns «Sommernachtstraum» stand für das poetisch-zarte Waldweben Pate, während sich Pfitzners viel zitiertes Wagner-Epigonentum musikalisch auf einige Takte beschränkt und mit Mahler- und Strauss-Anklängen teilt. Kein Wunder: Als Straßburger Musikdirektor setzte er sich 1907-1918 jenseits nationalistischer und antisemitischer Borniertheit für die deutsche und französische Moderne ein und erbat sogar von Debussy ein Werk zur Uraufführung. Die melodisch reiche, glänzend instrumentierte Partitur der «Rose» klingt in ihrer aparten Chromatik denn auch eigenständig und originell.
Das war in der Aufführung des Chemnitzer Theaters, das sich nach Zürich 1999 erstmals wieder an die «Rose» wagte, nur bedingt zu hören. Domonkos Héja, der junge Erste Kapellmeister ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wie im Flug

La femme plus fatale – nur mit einem solchen Superlativ kann man das packende Lulu-Porträt beschreiben, das Marlis Petersen in einer Neuproduktion an der Chicago Lyric Opera zeichnete. Oder anders ausgedrückt: Im Vergleich zu Petersens Lulu kommen einem die singenden Sirenen von Carmen bis Salome nur mehr wie harmlose Sexkätzchen vor. Als sei ihr Bergs von...

Die Verwandlung der Welt durch Liebe

Im Westen kennt man Nikolai Rimsky-Korsakow als fantasievollen musikalischen Märchenerzähler durch seine sinfonische Suite «Scheherazade». Man rühmt ihn als glänzenden Koloristen in viel gespielten Orchesterwerken wie dem «Capriccio espagnol» oder der Ouvertüre «Russische Ostern». Und man kennt den in zahllosen Transskriptionen verbreiteten «Hummelflug». Die...

Editorial

Der wichtigste Job in amerikanischen Kulturinstitutionen ist der des Fundraisers. Zumal in turbulenten Zeiten. Ohne (oft hoch dotierte) Spendensammler, die Unternehmen und Privatpersonen Geld aus der Tasche ziehen, könnten Museen, Bibliotheken, Orchester und Opernhäuser in den USA einpacken. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis: Zwischen New York und San...