Ein Kontinent wird sichtbar
Es war ein Sängerfest, als sich 2011 fünf Countertenöre – Philippe Jaroussky, Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli, Valer Sabadus und Yuriy Mynenko – erst im Aufnahmestudio, dann auf der Bühne und schließlich für eine Tournee zusammenfanden, um Leonardo Vincis letzte, 1730 in Rom uraufgeführte Oper «Artaserse» nach über zweihundertjährigem Archivschlaf wiederzubeleben. Mit einem Schlag war der zwar von Opernhistorikern niemals gänzlich vergessene, doch trotz Barock-Revival bis dahin übersehene Vinci in aller Munde.
Bei den letztjährigen Wiesbadener Maifestspielen war, wieder mit fünf Countern, «Catone in Utica» zu sehen. Jetzt zogen Heidelberg (Premiere am 5. Dezember 2015 beim «Winter in Schwetzingen») mit «Didone abbandonata» und Kassel mit «Artaserse» (Premiere am 12. Dezember 2015) nach. Und immer deutlicher zeigt sich, dass in den melodiösen Partituren Vincis ein Hauptvertreter der neapolitanischen Schule, ja einer der einflussreichsten Komponisten des Settecento wiederzuentdecken ist, nämlich jenes aufklärerischen «dramma per musica», das sich im Gefolge von Metastasios rationalistischen Musterlibretti über ganz Europa verbreitete. Noch vor Hasse, Caldara und Jommelli war der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Uwe Schweikert
Im Barocktheater war alles ganz einfach: Man spielte in festen Bühnenbildern, mehrfach gestaffelten Prospekten aus Holz. Veränderte Schauplätze wurden durch Umgruppierungen dieser Elemente erzielt, zudem garantierte der «arco scenico», also die gebogene Struktur über dem Bühnenportal, als «natürlicher» Reflektor gute akustische Verhältnisse für das, was auf den...
Die Verklärung der Heiligen hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Als Ikone der Nation wurde sie in Frankreich nicht nur von Katholiken und Monarchisten, sondern auch von Republikanern und Sozialisten verehrt. Jeder pickte sich heraus, was zur eigenen politischen Agenda passte: Gottesfurcht, Frömmigkeit, Königstreue, Kampfesmut, Volksnähe – an den Mythos der...
Hereinspaziert, hereinspaziert! Es ist schwer was los im Trierer Dreispartenhaus. Karl M. Sibelius, der neue Intendant, macht mächtig Dampf. Allein das Musiktheater stemmte zwischen Saisonauftakt und Jahresende fünf Premieren. Zuletzt war der Schauspieler, Regisseur und Kulturmanager, der nun in der Römerstadt alles anders machen will als sein Vorgänger Gerhard...
