Ins Äusserste getrieben
Der Vorhang – eine Ortsbeschreibung im Schummerlicht. Etwas trockenes Gras. Viel Sand. Endlose Weite am Ende der Welt. Gottverlassener geht’s nicht. Hier spielt in Zürich «La fanciulla del West». Vorhang auf. Die bühnenbreite Theke der Kneipe «Zur Polka» drückt sich ganz nahe an die Rampe und scheint kaum Raum für sinnvolles Spiel im zudem brechend vollen Raum zu lassen. Denken wir. Nicht so Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper Berlin. Er hat, unterstützt von Bühnenbauer Rufus Didwiszus und Kostümentwerfer Klaus Bruns, Giacomo Puccinis Western-Oper inszeniert.
Die Bar, die Hütte der Titelheldin, der kaputte, wie gefledderte Finalraum: Orte der Unwirtlichkeit, keine Western-Exotik.
Rohe Burschen und ihr Rabaukentum, hart am Rande der Lynchjustiz, ihre Reizbarkeit, ihr Jähzorn, ihre Rangeleien und Nicklichkeiten, ihr Frust, ihr Suff und ihre Weinerlichkeit – all das lässt Kosky auf- und ausbrechen, präzise beobachtet, aus der rasch wechselnden Stimmungslage entwickelt und aus dem drangvoll engen Durcheinander wie spontan herausgefiltert. Koskys Konzept: die absolute Buchstabentreue. Seine Einsicht: Jedwedes Aufweichen von Puccinis musikalisch präzise vorgezeichneten ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Heinz W. Koch
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Ein freier Tag in Zürich. Ich streife durch die Geschäfte, auf der Suche nach einem Souvenir. Eine Rolex! Kein Geld, die Gage gibt’s nicht her. Manche kriegen sowas geschenkt, aber ich bin (noch!) nicht berühmt genug. Ein Raclette-Grill? Zu sperrig. Eine Kuckucksuhr? Zu hässlich. Dann eben ein richtig gutes Schweizer Taschenmesser. Das war vor zwanzig Jahren. Auf...
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