Offen gestanden...
Frau Mattila, ist es Ihnen während einer «Lohengrin»-Vorstellung schon mal passiert, dass Sie die Elsa mitsingen wollten?
Nein, aber ich genieße die Szenen mit ihr, weil sie sich nun so anders anfühlen! Schöne Erinnerungen steigen da in mir auf. Ich mochte die Elsa sehr gern, als ich sie noch sang – allerdings wollte ich immer Ortrud sein. Ein spannender Charakter, eine faszinierende Frau. Es ist für mich ein natürlicher Weg, zur Ortrud zu kommen. Auch als ich Chrysothemis in Richard Strauss’ «Elektra» war, wollte ich immer Klytämnestra sein.
Und bei meiner ersten Kabanicha in Leoš Janáčeks «Katja Kabanowa» in Berlin fragte mich meine Kollegin, ob ich die Titelrolle vermisse. Ich sagte: «Das ist vorbei, ich habe meine Katja-Zeit genossen.»
Also sind Sie froh, dass Sie endlich richtig böse sein dürfen.
Sagen wir es so: Für mich war es nie ein Problem, in eine Figur zu schlüpfen, die nicht gefällig oder sympathisch ist. Es ist eine Abwechslung nach allen diesen Prinzessinnen.
Christa Ludwig sagte einmal, dass alle Mezzos nach den Diven-Partien der Soprane streben. Gibt es auch die umgekehrte Entwicklung, weil Elsa & Co. zu brav sind?
Früher dachte ich immer, dass Elsa ein bisschen ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Interview, Seite 28
von Markus Thiel
Frau Kermes, Sie haben Ihre Kollegin Cecilia Bartoli vor Kurzem auf Twitter gedisst, wegen des Covers der «Farinelli»-CD, wo sie ausschaut wie Conchita Wurst …
Naja, Conchita Wurst gibt’s ja nicht mehr, sie ist längst wieder ein Mann mit kurzen Haaren. Außerdem hatte Farinelli nie einen Bart. Mir tut es einfach leid, weil viele Menschen sich darüber lustig machen....
Welche Räume braucht das Musiktheater im 21. Jahrhundert? Eine Frage, die sich dringlich stellt, wenn marode Häuser mit großem Aufwand saniert und modernisiert werden müssen, etwa in Stuttgart, Frankfurt oder Karlsruhe. Auch am Nationaltheater Mannheim beherrschen bald Bauleute die Szene – in Absprache mit Künstlern und Beschäftigten, wie Geschäftsführer Marc...
Frau Sarré, es heißt, in den Familien werde nicht mehr gesungen.
Leider. Die musikalische Prägung ist enorm wichtig. Wir müssten eigentlich nicht nur in den Familien ansetzen, sondern auch in den Kindergärten und Schulen. Das passiert zu wenig. Potenzial ist bei Kindern vorhanden, es wird aber zu wenig geweckt. Die Kinder unseres Chors lernen früh auch ein...
