«Komik entsteht über Ernsthaftigkeit»
Herr Kehr, Sie sind seit 1996 für das Musiktheater der Schwetzinger Festspiele verantwortlich und haben dort eine «Schwetzinger Dramaturgie» übernommen, deren Philosophie darin besteht, jeden Sommer zwei Opern, die Ausgrabung eines vergessenen Werks und die Uraufführung eines Auftragswerks, im Schlosstheater zu präsentieren. Wie findet man solche Stücke wie Giovanni Legrenzis «Il Giustino», von dem ja schon 2000 «La divisione del mondo» auf dem Spielplan stand?
Erst einmal muss ich mich gegen den Ausdruck «Ausgrabung» verwahren.
Das klingt eher nach Beerdigungsinstitut. Ich würde lieber «Neuentdeckung» sagen. Wie man dabei vorgeht? Man kennt natürlich die Operngeschichte und hat einen kompetenten Partner in Thomas Hengelbrock, der, wenn er auch nur die Manuskripte sieht, einen untrüglichen Instinkt dafür hat, was in ihnen steckt und was wir, wenn wir ehrlich sind, so gar nicht erkennen würden. Denn diese Stücke werden zum Teil ja für Schwetzingen erfunden. Opernpartituren des 17. Jahrhunderts enthalten meist nur die Melodie- und die Basslinie. Wie man das Continuo aussetzt und ausführt, ist bereits Bestandteil der musikdramaturgischen Arbeit, weil es sich auch an der Art und Weise ...
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Ich wollte keine Musik schreiben, die man mehrere Seiten lang erklären muss». Solche Entschiedenheit, geäußert kurz vor der Münchner Uraufführung von «Alice in Wonderland», sagt viel über Unsuk Chins Stellung, ihr Selbstgefühl in der Musiklandschaft der Gegenwart – in der Mitte zwischen den eigenen Wurzeln und vielfältigen westlichen Erkundungen und Erfahrungen,...
Herr Herheim, in Ihren Inszenierungen thematisieren Sie gern die Rezeptionsgeschichte der Werke. Wäre es da nicht konsequent, wenn auch der Regisseur Herheim selbst als letztes Glied in dieser Kette auf der Bühne auftauchen würde?
Nun, der Regisseur Herheim ist sich des etymologischen Ursprungs seines Berufes bewusst: Das lateinische «regere» bedeutet so viel wie...
